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Erst die Rente - und dann?

„Ich denke, der Ruhestand ist ein schlimmeres Schicksal als der Tod.“

Diese Worte wählte die New Yorkerin Iris Apfel und unterschrieb mit 97 Jahren ihren ersten Model-Vertrag.

Wir haben in den vergangenen Wochen und Monaten viel zugehört. Wir haben viele Rentnerinnen und Rentner im Hochstift besucht und bei uns in der Redaktion begrüßt. Viele von euch haben uns außerdem ihre Gedanken und Gefühle beschrieben – diese findet ihr auf dieser Seite immer wieder in Zitatform.

Wir haben glückliche und traurige, arme und reiche, fitte und müde Seniorinnen und Senioren erlebt. Wir haben Einzel- und Draufgänger interviewt. Wir haben mit Kindern und Enkeln gesprochen. Und wir haben junge Leute gefragt, was sie über die Rente denken. Auf dieser Seite wollen wir zeigen, wie unterschiedlich Menschen im Hochstift mit dem Thema Rente umgehen.

Übrigens: Wir freuen uns riesig über euer Feedback! Schreibt uns doch gerne. Alle Kontaktdaten findet ihr weiter unten auf dieser Seite.



Zahlen, Daten, Fakten

Wie viele sind wir denn eigentlich im Hochstift im Jahr 2025? Und im Jahr 2050? Und wird die Gruppe der Seniorinnen und Senioren wirklich immer größer? Hier gibt’s die aktuellen Zahlen der Landesstatistiker:

Zahlenmaterial: it.NRW/Kreis Paderborn

Gut jeder Fünfte im Kreis Paderborn ist demnach aktuell (2025) älter als 65 Jahre. 2050 wird es mehr als jeder Vierte sein.

Zahlenmaterial: it.NRW

Aktuell (2025) ist demnach jeder Vierte im Kreis Höxter älter als 65 Jahre. 2050 wird es bereits jeder Dritte sein.



Hartmut Nessel: "Ich kann einfach nicht nur zuhause sitzen"

Sonntagsabends schlechte Laune haben, weil man montags wieder arbeiten muss? Dieses Gefühl kennt Hartmut Nessel nicht.

Aber: Mit 67 gar nicht mehr arbeiten und trotzdem glücklich sein? Dieses Gefühl kennt der Selbstständige aus Paderborn-Elsen auch nicht.

Uns hat der Eisverkäufer ein sehr ehrliches Interview gegeben.



Liebe und Beziehungen

Mit dem Start in die Rente gibt es ja so Klassiker: Mit dem Ruhestand merkt man plötzlich – mein Leben war ja nur Arbeit! Und mein Partner oder meine Partnerin zu Hause ist eine mir völlig fremde Person, mit der ich gar nicht klar komme!?

Oder es gibt Paare, die sich neu ineinander verlieben, wenn sie auf einmal Zeit füreinander haben.

ODER man findet einen neuen Partner.

Wir haben mit Menschen gesprochen, bei denen sich in Sachen Beziehungen und Liebe im Renten-Alter einiges verändert hat.

Anton Schäfers und Angelika Zschegel sind noch ein ziemlich frisch verliebtes Paar für ihr Alter - die beiden Rentner sind noch gar nicht so lange zusammen und prompt zusammengezogen.

Für sie war es ein Glücksfall, einen neuen Partner fürs Leben gefunden zu haben. Wie die beiden sich kennengelernt haben, hat Angelika uns erzählt. 


Winfried Gerhard aus Paderborn-Elsen hat zwei Wochen vor dem Start seiner Rente seine Frau an eine Form der Leukämie verloren. 
Für ihn kam nicht nur die Frage - was mache ich, wenn ich nicht mehr arbeiten gehe? Sondern auch - was mache ich ohne meine geliebte Frau?

Vor allem Freunde und Familie haben ihm in der schweren Zeit geholfen. Anfänge einer neuen Beziehung sind für Winfried Gerhard gescheitert. Er konnte das einfach nicht.

Jetzt ist der Rentner wieder glücklich vergeben und dankbar dafür!


Die Finanzen


Jörg Büttner: "Ich bekomme 648 Euro. Ich muss weiterarbeiten."

Jörg Büttner aus Paderborn wird in diesem Jahr 66. Im Februar 2026 erreicht er die Regelaltersgrenze. Er denkt aber gar nicht daran, in Rente zu gehen. Er würde nämlich nur 648 Euro pro Monat erhalten.

Jörg Büttner hat uns seine (berufliche) Lebensgeschichte erzählt: Wie er sich selbstständig machte und Schulden anhäufte. Wie er anschließend Schulden abbaute – aber nicht viel zurücklegen konnte. Und wie er jetzt in die Zukunft schaut.


„Erwerbsminderungsrente mit Mitte 40? Was ist noch möglich auf dem zweiten Arbeitsmarkt? Oder nur zu Hause bleiben? Aber das mit Ende 40? Besser noch was tun!“
Simone, 49, Borgentreich



Das große Renten-Glück

Viele von euch haben uns geschrieben und uns davon berichtet, wie es euch in Rente geht - was ihr erwartet, was euch vielleicht auch überrascht hat. Hier seht ihr einige eurer Erfahrungen:


„Ich bin mit Mitte 30 aus gesundheitlichen Gründen in die Rente gerutscht. Am Anfang war es ,,ganz cool“, soviel Zeit zu haben. Ich habe aber nach einiger Zeit aus Langeweile angefangen mich dem Alkohol hinzugeben. Das ging einige Zeit so, bis ich selbst festgestellt habe das es das erstens nicht wert ist, wenn die Gesundheit schon im Arsch ist und zweitens ist die Zeit, die man sinnvoll nutzen kann, viel schöner ohne Alkohol. Mein Fazit bisher ist das man sich etwas Sinnvolles es suchen muss, um sich selbst zu beschäftigen, sonst fällt einem relativ schnell die Decke auf den Kopf.“

Matthias, 41, Höxter



„Ich arbeite seit fünf Jahren in diversen Ehrenamtsprojekten, Gartenschau Bad Lippspringe, Flüchtlingshilfe, EFI Paderborn, Schöffe, sachkundiger Bürger der Stadt Paderborn.“

Jürgen, 71, Bad Lippspringe



Hilfsangebote und Freizeitmöglichkeiten für Rentnerinnen und Rentner im Hochstift

Beratungsangebote, Freizeittipps, Reha-Angebote: Bei uns im Hochstift gibt es viele tolle Möglichkeiten und kompetente Unterstützung für euch Rentnerinnen und Rentner.

Eine kleine, stellvertretende Auswahl wollen wir euch hier vorstellen.

In Paderborn gibt es bspw. seit 2023 den Nachbarschaftstreff Süd-Ost. Rentnerinnen und Rentner bieten hier u.a. ein Stadtteil-Café, einen Spieletreff, eine Digitalsprechstunde oder Vorträge an.

Ebenfalls in Paderborn bietet auch das Bildungshaus Maria Immaculata Veranstaltungen an, die sich teils an Rentnerinnen und Rentner richten. Im November 2025 gibt’s bspw. das Wochenendseminar "Renteneintritt und Partnerschaft – gemeinsam neue Wege beschreiten". Mehr Infos bald auf der Homepage des Bildungshauses.

Auch die Volkshochschulen im Hochstift bieten viele Angebote für die Altersklasse 65Plus. Wir empfehlen unter anderem die Landvolkshochschule Hardehausen, die zum Beispiel Bildungstage für aktive Senioren anbietet.

Im Kreis Paderborn gibt es außerdem viele Angebote des AWO-Kreisverbandes. Besonders zu erwähnen ist das Mehrgenerationenhaus AWO LEO in der Paderborner Leostraße, das immer wieder verschiedenste Angebote wie einen Spielenachmittag, einen Stricktreff, Gehirnjogging oder Seniorentanz bietet. Auf der Seite der AWO findet ihr alle Angebote.

Wie wäre es außerdem mit einem Projekt, das unsere Welt ein bisschen besser macht? Die Kreisgruppe Höxter des Paritätischen hätte da eine Idee: Die Idee start local.



Die Reha vor der Rente in Bad Lippspringe

Radio Hochstift-Redakteur Tobias Fenneker hat auch mit Thomas Göke gesprochen. Der 35-Jährige ist leitender Psychologe in der Klinik am Park in Bad Lippspringe. Patientinnen und Patienten aus ganz Deutschland werden dort in einer Reha behandelt. Das Besondere: Fast alle von ihnen haben eine psychische Erkrankung und nur noch wenige Jahre bis zum Renteneintritt.

Radio Hochstift: Herr Göke, was hat die Klinik am Park mit dem Thema Rente zu tun?

Thomas Göke: „Hier bei uns in der Klinik am Park behandeln wir viele Menschen mit beruflichen Problemen. […] Das bedeutet, Menschen kommen zu uns zur Rehabilitation, wenn sie unterschiedliche Probleme haben. Sie kommen häufig am Ende ihrer beruflichen Laufbahn.
Das heißt, wir bahnen dann oft mit Rehabilitanten schon an, wie es nach der Berufstätigkeit weitergeht. Und da zeigen sich dann immer wieder verschiedene Schwierigkeiten und Probleme für diese Menschen, wie es dann ohne den Job, ohne die Tätigkeit, die sie Jahre oder Jahrzehnte gemacht haben, weitergeht.“

Das komplette Interview könnt ihr an dieser Stelle nachlesen.


Tipps gegen Nicht-mehr-gebraucht-werden-Gefühl

Ihr habt das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden? Wir haben mit Claudia Richter gesprochen, was dann helfen kann. Die 60-Jährige hat 2017 die Paderborner Senioreninitiative gegründet – aktuell ist sie Vorsitzende der PSI. Sie gibt euch folgende Tipps mit auf den Weg:

  • Freundschaften/soziales Netzwerk pflegen (unbedingt auch schon vor dem Renteneintritt)
    • Besonders wichtig: offen sein für neue Freundschaften; nicht darauf warten, dass man zwingend wieder FreundInnen mit ähnlichen Charakteren wie in der Vergangenheit hat
  • Hobbys
  • Ehrenamt
    • Im ersten Schritt überlegen, was euch Spaß machen würde (handwerkliche Arbeiten? Arbeit mit Geflüchteten? Fahrservice? Vorlesen für Grundschulkinder?)
    • Im zweiten Schritt überlegen, wie viel Zeit ihr investieren wollt (z.B. zunächst mit zwei Stunden an zwei Tagen pro Woche starten)
    • Im dritten Schritt (nach Empfehlung von Claudia Richter): Einfach losgehen! Persönliche Kontaktaufnahmen sind meist nachhaltiger als Mail- oder telefonische Anfragen

Die Rentnerbörse

Ihr seid in Rente und plötzlich wisst ihr nichts mehr mit eurer Zeit anzufangen? Oder ihr könntet dringend Hilfe gebrauchen von jemandem, der viele Jahre Erfahrung hat? Hier kommt ihr zusammen: Tragt ein, was ihr anzubieten habt, oder was ihr sucht.

Das könnte zum Beispiel Hilfe im Garten sein, jemand, der den Kindern vorliest, oder ihr möchtet stricken lernen? Oder ihr seid Rentnerinnen und Rentner und möchtet jemanden haben, der mit euch spazieren geht oder mit euch einfach mal einen Kaffee trinkt und Leben ins Haus bringt.

Klickt auf das Bild oder hier, um zu unserer Rentner-Börse zu gelangen: Radio Hochstift Hilft


Eure Rückmeldungen

Vor und während unserer Themenwoche haben wir dutzende Rückmeldungen von euch erhalten - das freut uns riesig! Hier ist eine kleine Auswahl:

"(...) Es hat mich sehr gefreut, dass ihr meine Erfahrungen und die vielen schönen Momente, die ich in dieser Zeit erlebe, so einfühlsam und ansprechend festgehalten habt. Das positive Feedback, das ich erhalten habe, zeigt, wie gut eure Arbeit ankommt. Es ist schön zu sehen, wie viel Mühe und Kreativität ihr in die Gestaltung des Artikels gesteckt habt. (...)
Vielen Dank, dass ihr meine Geschichte mit den Hörern geteilt habt." (Franjo Otto, Paderborn)

Zur Radio Hochstift-Rentnerbörse: "Eine tolle Aktion! Unsere Gesellschaft braucht Ehrenamt und Menschen in Rente suchen oft eine Aufgabe." (Cornelia Pätzold, Der Paritätische, Kreisgruppe Höxter)

„Ich möchte arbeiten, aber ich kann nicht so viel arbeiten. Ich bin in der Erwerbsminderungsrente. Darüber bin ich nicht sehr glücklich. Ich habe eine kleine Tochter. Für sie ist es schwierig, weil sie immer sagen muss: Meine Mama hat keine Arbeit.“ (Larissa S., Brakel)

„Ein Aspekt, den man vielleicht schnell übersieht, ist, dass viele unserer Teilnehmenden zu uns kommen, weil sie auf andere Menschen treffen, weil man sich austauschen kann und vielleicht neue Freunde und Bekannte findet. Das heißt der Lernaspekt steht bei unseren Teilnehmenden nicht immer im Fokus. Die VHS beschäftigt auch viele Menschen im Ruhestand als Dozent*innen. Fremde Menschen mit gleichen Interessen lernen sich kennen, tauschen sich aus und kommunizieren miteinander. Die VHS hat somit eine wichtige Funktion für eine aktive Demokratie inne.“ (Tobias Zenker, stellvertretender Leiter VHS Paderborn)

„Ich gehe ab 01.06.2025 in Rente, werde am 07.06. 66 Jahre. Bin in der Pflege tätig. Werde aber auf geringfügiger Basis weiterarbeiten. Ich kann mir nicht vorstellen ab dem 01.06 zu Hause zu bleiben...Sofa, Fernseher usw. Mein Lebenspartner ist 80 Jahre und arbeitet auch noch. Bin gespannt, wie es weiter geht.“ (Reinhild P., Bad Wünnenberg)

Zur Radio Hochstift-Rentnerbörse: „Geile Aktion!“ (Thommy R., Paderborn)

„Im nächsten Jahr geht mein Mann in Rente – haben dann etwa 800 Euro weniger als jetzt. Ich bin wegen zwei schwerer Krankheiten schon seit 14 Jahren in Frührente. Das wird nichts mit schöner Rentenzeit.“ (Angelika W., Willebadessen)

Zur Radio Hochstift-Rentnerbörse: „Die Aktion von Radio Hochstift begrüße ich sehr. Und ja, es kam so passend für mich, denn seit Wochen und Monate telefoniere ich vergeblich, um eine Lösung für meine kleine Tochter und mich zu finden. Wir wünschen uns so sehr eine liebe Ersatz-Oma und/oder Ersatz-Opa.“ (Sandra F., Alleinerziehende, Paderborn)

„Ich bin fast Rentner, aber relativ gut aufgestellt, was mein Leben angeht nach der Arbeit. Aber ich finde es erbärmlich, wenn ein Arbeitnehmer/in das ganze Leben ordentlich gearbeitet hat und dann ‚bestraft‘ wird in der Zeit nach dem Arbeitsleben. Unser System der Rente ist unter Bismarck entstanden und hat heute noch Bestand. Im Vergleich zu anderen Ländern in Europa, die eine ähnlich strukturierte Wirtschaft und Politik haben, ist das deutsche Rentenniveau mit deutlich unter 50% ein Versagen. Das ganze Rentensystem bedarf dringend einer Erneuerung.“ (Norbert B., Bad Driburg)


Ihr habt uns auch etwas zum Thema zu erzählen? Oder ich wollt uns eine Rückmeldung zur Berichterstattung geben? 

Dann meldet euch gerne bei Tobias Fenneker, Julia Kleinekemper oder Lea Wirz.