20 Menschen, die Hoffnung machen
450.000 Menschen leben im Hochstift. Und es sind so viele tolle Menschen darunter.
Wir stellen im Januar 2026 die Menschen vor, die euch Hoffnung machen. Aus vielen Vorschlägen von euch und auch unseren Ideen haben wir 20 Menschen ausgewählt.
Von montags bis freitags lernt ihr so einen Mensch aus dem Hochstift kennen, der anderen Hoffnung macht. Auf dieser Seite findet ihr die 20 ausgewählten Hoffnungsmacherinnen und Hoffnungsmacher und weitere, tolle Menschen, die von euch auch noch vorgeschlagen wurden.
Wir freuen uns über eure Rückmeldungen und euer Feedback! Die entsprechenden Kontaktdaten findet ihr ganz unten auf dieser Seite.
Volker Faltin, 77, Beverungen
Herbert Grönemeyer, Status Quo, Helene Fischer, Silbermond, Westernhagen: Er hat sie alle nach Beverungen geholt. Seit 1980 organisiert Volker Faltin Konzerte - und zwar ehrenamtlich. Uns hat er viele Einblicke gegeben: Wie fing alles an? Was ging komplett schief? An welche Begegnungen erinnert er sich besonders gerne zurück? Was essen die Bands besonders gerne? Und welches Thema ist ihm besonders wichtig? Wir versprechen: Diese sechs Minuten werden nie langweilig:
Barbara Diehle-Fäustel, 67, Paderborn-Elsen
Barbara Diehle-Fäustel ist Oma. Ihr Hobby: Informieren und demonstrieren. Sie engagiert sich bei den Paderborner Omas gegen Rechts. Die 67-Jährige aus Paderborn-Elsen kann nicht einfach nur auf dem Sofa sitzen und Streuselkuchen essen. Sie will für die Demokratie und gegen Rechtsextremismus kämpfen. Hier könnt ihr hören, was sie uns über ihr Engagement, ihre Reaktionen und ihre Hoffnungen erzählt hat:
Wenn ihr euch bei den Omas gegen Rechts engagieren wollte, könnt ihr den Seniorinnen gerne eine Mail schreiben. Aktuell sind etwa 50 Omas im Paderborner Team aktiv.
Heike Hoewing-Mack, 58, Paderborn
Heike Hoewing-Mack hat mindestens zwei Menschen ganz viel Hoffnung geschenkt: Sie ist in die Familie von Sandra und Lucia (5) Filter gekommen und ist jetzt Leihoma. Damit gibt sie der fünfjährigen Lucia Freude und ihrer Mutter Sandra Entlastung.
Hier gibt es die Beiträge zum Nachhören:
Weitere Hoffnungsmacherinnen und Hoffnungsmacher aus dem Hochstift
- Maria Reimer (bzw. der Gründerinnenstammtisch) aus Paderborn. “Orientierung, Unterstützung auf Augenhöhe, gemeinsame Kreativität, die Suche nach Lösungen - oder einfach ein Austausch für uns Gründerinnen. Der Gründerinnenstammtisch ist ein wichtiger Ort in Paderborn für Sicherheit und Wachstum. Hier geben wir uns gegenseitig Hoffnung.” (Heike Kundisch)
Florian Meier, 40, Hövelhof
Er ist Chef. Er trägt die Verantwortung für ein Unternehmen mit 320 Mitarbeitenden am Standort Hövelhof. Florian Meier ist Geschäftsführer von LST.
Seine Mitarbeitenden sagen: Er führt Gespräche auf Augenhöhe. Er investiert ins Unternehmen, in die Mitarbeitenden und damit auch in die Zukunft. Mitarbeiterin Jennifer Reimann hat ihren Chef für unsere Aktion vorgeschlagen. Wir haben beide erzählen lassen.
Im Gespräch hat uns Florian Meier noch deutlich mehr erzählt.
Über seine eigene fachliche Expertise: “Seitdem ich 14, 15 bin, bin ich hier im Betrieb und habe schon alle Abteilungen durchlaufen. Ich habe hier immer durchgehend gearbeitet und habe mich auch immer für alles interessiert, was wir hier gemacht haben. Ich habe immer versucht, alles einmal zu erlernen oder reinzugucken. Ich glaube, einzig und allein im Bereich Schweißen bin ich nicht ganz so firm und fit. Da würde ich es doch wirklich unseren Profijungs überlassen.”
Über die Seltenheit als Chef gelobt zu werden: “Es ist natürlich als Chef ungewöhnlich, dass man gelobt wird in irgendeiner Form. Also das hat man nicht so häufig, dass man Lob bekommt oder positives Feedback. Deswegen hat es mich natürlich gefreut. Am Anfang war ich ein bisschen unsicher, wie ich darauf reagieren sollte. Aber als ich mal länger darüber nachgedacht habe, ist es natürlich eine wahnsinnig schöne Bestätigung für das, was man so tut den ganzen Tag. Als Chef trifft man natürlich Entscheidungen, die nicht immer allen Leuten gefallen. Vielleicht wünschen sich die Mitarbeiter auch, dass ich öfter lobe. Also könnte ja sein, dass ich damit anfangen muss. Vielleicht bekomme ich dann auch noch mehr Lob.”
Über Selbstreflektion als Chef: “Die neue Generation geht anders mit Menschen um, das ist einfach so. Also jetzt nicht schlechter oder besser, sondern einfach anders. Und ich glaube, das ist auch eine andere Art des Umgangs, der sich hier dann etabliert hat irgendwann. Für mich persönlich ist das gar nicht so richtig greifbar gewesen, weil ich jahrelang darauf hingearbeitet habe, das zu tun, das zu werden, immer versucht habe, an mir selbst zu arbeiten und zu gucken, okay, wie kann ich eigentlich selber als Chef besser werden. Dass ich mich als Chef bezeichne, das passt sowieso eigentlich gar nicht zu mir. Ich arbeite hier und wir versuchen alle zusammen das Unternehmen nach vorne zu bringen. ‘Quick and dirty’ ist nicht unser Anspruch. Wir wollen das nachhaltig machen und gerade als Familienunternehmen ist es so, dass man in Generationen denkt. Mein Ziel für die nächsten 20, 30 Jahre ist, dass ich das Unternehmen gut in die Zukunft führen kann.”
Constance Montino, 41, Paderborn
Sie hat sich selbst in Gefahr begeben, um eine andere Frau zu retten. Während der Tornado am 20.05.2022 Teile Paderborns verwüstet, wächst Constance Montino über sich hinaus. Sie zieht Irmy Leifeld, eine ihr bis dahin unbekannte Frau, in ein Gebäude. Zuvor hatte Montino gesehen, wie Irmy Leifeld vom Tornado regelrecht durch die Luft geschleudert wird. Bis heute haben die Frauen Kontakt. Constance Montino hat uns in einem Interview viel erzählt:
Radio Hochstift: Welche Erinnerungen hast du an den 20. Mai 2022?
Constance Montino: „Ich war zu der Zeit tatsächlich nachmittags noch im Café in der Paderborner Innenstadt. Und dann zogen die dunklen Wolken auf und ich dachte, jetzt ist es wohl doch Zeit, nach Hause zu gehen. Und da fing es schon so stark an zu regnen und es wurde so gefährlich, dass ich tatsächlich gedacht habe, ich brauche jetzt Schutz und schaffe es nicht mehr nach Hause.
Also bin ich über die Ampel und direkt in den C&A. Und es fing schnell an, dass die ganzen Türen eingeschlagen sind und dass draußen ein absolutes Unwetter herrscht. Das war schon sehr massiv."
RH: Was hattest du in dem Moment für Gedanken oder Gefühle?
„Man hat tatsächlich etwas Angst bekommen und Sorge. Wir standen so mit 15 Leuten im Eingangsbereich.
Dann haben wir nach draußen geguckt. Und dann habe ich halt Irmi gesehen, die tatsächlich dort durch die Luft geflogen und dann aufgeschlagen ist. Es sind auch mehrere Barken von der Baustelle, die dort zu der Zeit noch war, durch die Luft geschlagen. Ich hatte tatsächlich Angst, dass Irmi von umherfliegenden Teilen erschlagen wird.
Irmi schlug dann auf den Boden auf und es war so ein massiver Wind, dass Irmi wieder hochgeflogen ist und dann wieder runtergeschlagen ist. Ich habe dann so diese Verzweiflung gesehen und ich hatte wirklich Angst um diesen Menschen.“
RH: Was war dann dein Impuls?
„Ja, es guckten halt alle. Alle standen dort, wie angewurzelt und ich sagte, wir müssen raus. Und alle so, nee, wir gehen nicht raus. Also die Stimmung war, hier geht keiner raus. Und ich habe gedacht, doch, ich gehe raus, weil ich Irmi helfen wollte, weil ich wirklich Angst um diesen Menschen hatte.“
RH: Was hast du dann mit ihr gemacht? Also konnte sie überhaupt aufstehen?
„Sie lag und ich habe ihre Hand gegriffen, weil ich wirklich Sorge hatte, dass sie wieder wegfliegt. Es war so ein massiver Wind. Dann habe ich sie reingezogen. Das hat auch gut geklappt. Und ich erinnere mich halt immer noch an dieses Bild, dass ich ihre Hand genommen und sie wirklich so mit reingezogen habe.
Eine Kollegin vom Geschäft hat dann auch einen Stuhl geholt. Irmi hat sich erst mal hingesetzt, aber mir war schon klar, dass sie wirklich Verletzungen hat. Wir haben dann auch versucht den Notruf sofort zu wählen, aber es war komplett besetzt. Also man kam gar nicht durch.
Ich habe gesagt: das ist jetzt ganz wichtig, du musst zum Arzt. Da habe ich glaube ich auch fünfmal auf sie eingeredet.
Dann hieß es irgendwann: Hilfe kommt. Ich habe mich verabschiedet und habe alles Gute gewünscht.“
RH: Was hast du im Nachgang über dich selbst gedacht?
„Ich habe in der Situation einfach nicht groß drüber nachgedacht. Ich hatte tatsächlich Angst um diesen Menschen und wollte helfen. Ich wollte diesen Menschen dort nicht allein lassen. Ich glaube, das war die Grundmotivation. Ich glaube, das würde ich wieder machen. Sie war allein, hilflos und das hat mich dazu bewogen, ihr zu helfen. Und das war eine schwierige Situation. Das berührt mich heute noch.“
RH: Einige Zeit später hat Irmi Leifeld dich dann gesucht…
„Das war so, dass meine Schwester mich angerufen hat und hat gesagt: Constance, du wirst gesucht. Und ich so, hä, wieso? Und dann hat sie gesagt, ja, da sucht jemand ihre Retterin aus dem Tornado. Also meine Schwester hat gesagt, das kannst doch nur du sein. Und ich so, ach ja, ja, das bin ich. Und dann hat sie gesagt, du musst dich bei Radio Hochstift melden. Das habe ich dann gemacht.“
RH: Wie war das erste Wiedersehen mit Irmi Leifeld?
„Wir haben einen tollen Abend zusammen gehabt und haben viel miteinander gesprochen, viel gelacht. Das hat uns, glaube ich, beiden sehr gutgetan. Es war von Anfang an sehr herzlich. Sie hat mich auch umarmt. Sie hat mir sogar ein großes Geschenk mitgebracht. Es war gleich so eine Verbindung da. Und wir mussten beide auch über den Tag reden, also sofort. Ich glaube, wir haben zwei Stunden nur über den Tornado gesprochen, was alles passiert ist.“
RH: Und habt ihr immer noch Kontakt?
„Ja, wir haben immer noch Kontakt über WhatsApp, schreiben uns. Und ja, Irmi ist eine ganz Liebe.“
RH: Würdest du über dich selbst sagen, dass du jemand bist, der Hoffnung macht?
„Also ich hoffe, dass ich vielleicht Menschen dazu anstiften kann, sich für andere Menschen in schwierigen Situationen einzusetzen. Und dass es vielleicht gut ist, mal genauer hinzugucken. Es gibt Menschen, wo man es auf den ersten Blick nicht sieht, die Hilfe brauchen. Es ist gut, hinzuschauen und nicht wegzuschauen.“
RH: Was macht dir Hoffnung?
„Wenn Menschen sich zusammentun und gemeinsam für eine Sache kämpfen und stark sind. Weil man viel zusammen bewegen kann. Wo Menschen sich füreinander einsetzen, da kann man auch was erreichen. Das ist eigentlich schon immer mein Motto gewesen.“
Maria Agethen, 42, Paderborn
“Für mich persönlich ist Hoffnung einfach, dass es weiter geht. Also dass es immer eine Lösung gibt.” - Das sagt Maria Agethen und das vermittelt sie auch Frauen, insbesondere Müttern in ihrem Alltag. Nach der Geburt kannst du nicht mehr joggen? Das wollen wir doch mal sehen!
Weitere Hoffnungsmacherinnen und Hoffnungsmacher aus dem Hochstift
- Vanessa Schütze aus Warburg-Menne. “Vanessa ist ein total lebensfroher, hilfsbereiter und lustiger Mensch. Sie schaut nicht weg. Wenn man weint, weint sie mit. Wenn man lacht, lacht sie am lautesten. Vanessa ist für mich ein wunderschönes Wesen - mit so vielen wunderbaren Facetten.” (Nadine Hilkenbach)
- Andreas Wylegalla aus Willebadessen. “Ich bin seit 14 Jahren chronisch krank. Mein Mann erkrankte vor zwei Jahren an Prostatakrebs. Er hat nie gemeckert - im Gegenteil: Er muntert mich immer noch auf. Er ist einfach mein Held.” (Angelika Wylegalla)
Tobias Stroth, 53, Nordborchen
Tobias Stroth ist Höhenretter bei der Feuerwehr. Er rettet Menschen aus Höhen, in denen die Drehleiter schon lange nicht mehr ausreicht. Stroth ist Lebensretter. Der 53-Jährige aus Nordborchen erlebt immer wieder hochemotionale Einsätze. Seine Höhenretter-Truppe beschreibt er selbst als “letzte Instanz”. Fast immer findet das Team eine Lösung, um teils lebensgefährliche Verletzte aus unfassbaren Höhen zu retten. Und manchmal geht es auch um tierische Einsätze. Uns hat er von einigen Einsätzen aus den letzten gut 25 Jahren erzählt.
"Wir hatten einmal einen Einsatz im Zoo in Dortmund, da ist eine Giraffe hingefallen, eine alte Giraffe. Das Problem bei alten Giraffen ist, die schlafen normalerweise im Stehen, weil sie nicht mehr aufstehen können. Die haben ein Problem mit dem Kreislauf, genau wie alte Menschen auch und wenn alte Giraffen hinfallen, ist es ziemlich naheliegend, dass die dann sterben. Dann wurde die Feuerwehr dazu gerufen, um mit dem Tierarzt des Zoos und mit der Feuerwehr und der Höhenrettung versucht, die alte Giraffe wieder hinzustellen.
Das war natürlich schon skurril. Wir haben dann aus dem Museumsbereich von der Feuerwehr ein altes handgenähtes Sprungtuch geholt und haben versucht, das unter die Giraffe zu hängen. Ich war damals noch frisch ausgebildeter Höhenretter und bin dann oberhalb von dem Giraffenhaus auf so einen Doppel-T-Träger geklettert, habe da einen Festpunkt installiert, um mit einer Rolle dann eine Umlenkung hinzukriegen, dass man von unten die Giraffe dann hochziehen könnte und wieder hinstellen konnte.
Das hat aber nicht ganz funktioniert, weil das Innenleben der Giraffe, je nachdem wie der Schwerpunkt ist, nach hinten und nach vorne schwappt. Das war halt nicht möglich, die Giraffe hier gerade hinzustellen. Leider ist das Tier verstorben."
“Wir hatten vor Jahren einen Einsatz im Sauerland, in einem Steinbruch, wo ein Pärchen von unten nach oben in den Steinbruch hochgeklettert ist und dann nicht mehr weiterkam. Von unten nach oben klettern ist oft kein Problem. Aber sie kamen nicht mehr herunter.
Eine Person hielt sich also an einem Stein fest, der rausguckte und der Partner war zwei Meter höher. Der hielt sich an so einem trockenen Baum fest, der aus dem Steinbruch gewachsen ist und kam einfach nicht weiter. Dann haben sie mit dem Handy Hilfe gerufen. Zuerst kam die freiwillige Feuerwehr - aber die konnten auch nicht helfen.
Ich habe mich dann von oben abgeseilt.
In dem Moment, wo sie gemerkt haben, dass sie jetzt sicher sind und nichts mehr passieren kann, haben beide angefangen zu weinen."
"Wir müssen auch tätig werden, wenn Personen in hohen Höhen sterben. Einmal erlitt ein Monteur in der Narbe einer Windkraftanlage auf 150 Meter Höhe einen Herzinfarkt und starb. Er ist dann ganz tief in die Narbe gefallen.
Da war klar: Die Höhenrettung muss diesen Menschen aus der Narbe des Windrads herausholen und wieder auf den Erdboden bringen. Das ist dann nicht schön, aber es muss trotzdem gemacht werden.
Und wenn es dann technisch funktioniert und alle Kollegen haben gut mitgearbeitet, ist das für uns natürlich trotzdem ein Erfolg, obwohl der Einsatz nicht schön ist."
Weitere Hoffnungsmacherinnen und Hoffnungsmacher aus dem Hochstift
- Michaela Seddon aus Paderborn-Elsen. “Meine Mama ist eine Inspiration. Sie ist 34, hatte schon zweimal Krebs und war trotzdem immer für uns da. Ich liebe sie über alles. Sie ist wirklich die Beste.” (Emily Seddon)
- Sophie Lehmler aus Paderborn: “Ich war mir nicht sicher, ob meine Tochter ihr Abitur schafft. Aber sie ist heiter, voller Humor, ist drangeblieben und hat es geschafft. Sie gibt mir Hoffnung für meine Arbeit, weil ich selber mit Jugendlichen arbeite.” (Tatjana Lehmler)
Annika Köjer, 20, Büren
Annika Köjer setzt sich in zig unterschiedlichen Vereinen für Kinder und Jugendliche ein. Und das alles neben ihrem Studium. Der 20-Jährigen aus Büren ist es einfach unheimlich wichtig, dass Kinder und Jugendliche früh mit Politik und Mitbestimmung zu tun haben.
Sie engagiert sich zum Beispiel auch in der Kreisjugendbeteiligungskonferenz. Das ist ein Netzwerk, in dem sich Jugendliche aus allen zehn Städten und Gemeinden des Kreises mit dem Landrat sowie Fachkräften aus der Kinder- und Jugendförderung austauschen.
Ihr möchtet mehr über dieses Gremium erfahren? Dann schaut mal auf den Seiten des Kreises Paderborn vorbei.
Und hier könnt ihr die Beiträge über Annika noch einmal hören:
Ulrich Eichelmann, 64, Lichtenau-Atteln
Er scheut keinen Konflikt. Er sagt selbst: Ich gehe All-In. Und er macht tausenden Menschen Hoffnung. Ulrich Eichelmann aus Lichtenau-Atteln kämpft seit Jahrzehnten für Flüsse. Mal in Atteln und besonders häufig auf dem Balkan. Uns hat er viele Einblicke gegeben:
Eure Rückmeldungen
Wir freuen uns riesig über die Rückmeldungen, die ihr uns seit Beginn der Hoffnungsserie schickt. Mal habt ihr uns zu einzelnen Protagonistinnen und Protagonisten geschrieben, mal auch allgemein zur Hoffnungsserie.
Eine Auswahl davon veröffentlichen wir hier:
„Ich habe gerade über Herrn Möhl nachgedacht und ich finde es klasse, wie er Mut macht und Hoffnung gibt. Alle Hochachtung und Danke.“ (Elke E., Warburg)
„Fantastisch. Perfektes Timing. Die Zeiten sind irgendwie ‚komisch‘. Von allen Seiten bekommt man zu hören, das Gefahr lauert. Das hier sind handfeste, positive Geschichten aus der Nachbarschaft. Genau das, was die Menschen brauchen. Mich berührt das total.“ (Christian R., Paderborn)
„Wir haben den bisherigen Beiträgen mit Spannung zugehört. Diese Aktion ist und bleibt wirklich wichtig und gut!“ (Nadine M., Hövelhof)
„Guten Morgen, toller Bericht heute Morgen über Anne und Bernhard. Auch wir haben unseren Pflegesohn vor fünfeinhalb Jahren über die beiden beziehungsweise den SkF bekommen. Die beiden haben wirklich einen vorbildlichen Job gemacht. Der Übergang von Ihnen zu uns war perfekt.“ (Olaf S., Paderborn)
„Sehr coole Serie. Bin gespannt auf den Rest.“ (Christoph Z., Paderborn)
„Ich bin dabei und schaue jeden Tag mal rein.“ (Margret K.)
„Ich habe gerade euren Bericht gehört, wegen Ulrich Möhl und der Sepsis. Mein Mann hatte letztes Jahr im Januar das gleiche Schicksal erlitten. Er lag auch mehrere Wochen im Koma. Er hat sich auch zurück ins Leben gekämpft. Er sollte sich mal mit Ulrich Möhl austauschen. Das wäre super.“ (Michael, Paderborn)
„Gute Sache!“ (Pascal D., Paderborn)
„Was wir jetzt brauchen: Hoffnung. Lieblingslokalsender: we got u covered!“ (Marlene R., Paderborn)
„Guten Morgen nach Paderborn. Frau Unverzagt ist eine starke Frau. Sie macht Mut. Einfach toll diese Energie und Lebensfreude. Ich selbst bin ebenfalls behindert und versuche, so gut es geht, meinen Weg zu gehen. Das Team von Radio Hochstift ist klasse. (Elke, Warburg)
„Wollte nur kurz ein Lob für eure Recherche zu den Hoffnungs-Menschen dalassen! Richtig cool.“ (Amelie F.)
Zu Florian Meier: „Ich würde sagen alles richtig gemacht! Das Familienunternehmen nach den eigenen Vorstellungen und Überzeugungen in die Zukunft führen, mit den Angestellten auf Augenhöhe arbeiten und immer ein offenes Ohr haben für deren positive Erlebnisse und Bedürfnisse! Wünsche ihm und seiner Firma alles Gute für die Reise in die Zukunft!“ (Andrea U., Bad Wünnenberg)
„Was für eine schöne Reihe. Herzlichen Glückwunsch für den inspirierenden Beitrag.“ (Rahman J., Paderborn)
Wir freuen uns sehr über weitere Rückmeldungen. Die entsprechenden Kontaktdaten findet ihr unten auf dieser Seite.
Andrea Unverzagt, 47, Bad Wünnenberg
Andrea Unverzagt hat eine angeborene Querschnittslähmung. Sie kann also nicht stehen und sitzt im Rollstuhl. Entmutigen lässt sie sich trotzdem nicht. Sie arbeitet seit 28 Jahren in der Aatal-Klinik, sie leitet eine Rollstuhlsport-Gruppe und geht leidenschaftlich gerne tanzen.
Vorgeschlagen hat Andrea übrigens der Paderborner Landrat Christoph Rüther. Aus gutem Grund:
Andrea Unverzagt hat uns ein inspirierendes Interview gegeben. Hier sind die Beiträge zum Nachhören:
Andrea Unverzagt leitet eine Rollstuhlsport-Gruppe für Kinder und Jugendliche. Mehr Infos dazu bekommt ihr auf der Seite der Paderborner Ahorn-Panther.
Aeham Ahmad, 37, Warburg-Daseburg
Sein Vater spielte Geige und baute als Schreiner Instrumente. Und das, obwohl sein Vater blind ist. Aber genau deshalb hat sein Vater ihm immer Hoffnung gegeben. Mittlerweile gibt Aeham Ahmad aus Warburg-Daseburg seinem Vater die Hoffnung zurück. Er macht aber auch tausenden anderen Menschen Hoffnung, indem er Klavier spielt. Fast täglich gibt er irgendwo in Europa ein Konzert. Berühmt wurde er als Pianist aus den Trümmern. Hier könnt ihr viel von ihm und seiner Musik Music for Hope hören:
Weitere Hoffnungsmacherinnen und Hoffnungsmacher aus dem Hochstift
- Mein Stiefvater aus Paderborn. “Er macht alles für mich und meine Schwester. Er hat mich in so vielen Höhen und Tiefen begleitet und hat mir immer Hoffnung gegeben. Er gibt niemals auf.” (Loreen Gülle)
- Mareike aus Paderborn-Sennelager. “Sie ist in den dunkelsten Zeiten für mich da, hört mir zu und baut mich immer wieder auf. Sie ist einfach die Sonne, wenn es eigentlich nur Wolken gibt. Ich möchte das alles hier niemals mehr ohne sie machen.” (Jessica O.)
Jessica Gauding, 30, Beverungen
Er ist 86 und sie 30. Ihr Verhältnis: Ausgezeichnet. Sie ist seine Hoffnungsmacherin. Alle 14 Tage kommt Jessica Gauding als Hauwirtschaftskraft der KHWE zu Dieter Haack und seiner Lebensgefährtin Helga in Beverungen. Die 30-Jährige hilft dann bei Alltagsaufgaben. Viel wichtiger: Sie bringt Zeit und ein offenes Ohr mit. Wir haben Dieter und Jessi, so wie sie sich nennen, erzählen lassen und versprechen: Anschließend habt ihr ein gutes Gefühl für den restlichen Tag.
Karl-Heinz Clemens, 64, Paderborn-Elsen
Karl-Heinz Clemens hat einen lebensgefährlichen Job. Er sorgt dafür, dass wir sicherer leben können. Seit 1982 arbeitet er beim Kampfmittelbeseitigungsdienst, seit 2006 ist er Feuerwerker. Heißt auf Deutsch: Er entschärft und sprengt Bomben, Granaten und Munition aus dem ersten und zweiten Weltkrieg. Wir haben mit ihm über seinen Job und sein Privatleben gesprochen.
"Also 1982 war ich beim Katastrophenschutz und da sollten dann Stellen abgebaut werden. Ich war zu dem Zeitpunkt der Jüngste beim Katastrophenschutz - da wurde mir gesagt, dass ich dann der Erste bin, der gehen muss. Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Familie und dann hat man mir seitens der Bezirksregierung diesen Job im Kampfmittelbeseitigungsdienst angeboten.
Ich habe dann auch noch mal nachgefragt, wie lange es den Kampfmittelbeseitigungsdienst noch gibt. Da hat der damalige Einsatzleiter zu mir gesagt, na ja, wir werden noch so die nächsten 10, 15 Jahre zu tun haben. Habe ich gedacht, na ja, okay, 10, 15 Jahre hast du dann erstmal einen sicheren Job.
Ja gut, das ist jetzt ein bisschen länger geworden alles."
Später machte Karl-Heinz Clemens dann noch die Ausbildung zum Feuerwerker. Seit 2006 ist er deshalb derjenige, der Bomben, Granaten und Munition entschärft, sprengt oder in ein Zwischenlager transportiert. An seinen ersten Einsatz im Jahr 2006 kann er sich noch gut erinnern:
"Es war richtig warm. Ich hatte ja so schon geschwitzt, aber da hatte ich dann noch mehr geschwitzt.
Und dann hast du natürlich auch viele Leute, also Vorgesetzte, um dich herum, die hinterher wissen wollten, wie hast du das gemacht. Dann ist das schon mal eine ganz andere Drucksituation, als wenn das dann ohne die läuft."
Es gibt nur eine Sache, die Karl-Heinz Clemens bei der Arbeit aufregt: Wenn Menschen, trotz vorheriger Ankündigung, nicht aus dem Gefahrenbereich gehen. Manchmal muss der Bombenentschärfer aber auch in diesen Situationen lachen:
“Der Mensch, der wollte auch die Wohnung nicht verlassen, dann ist die Polizei gekommen und dann hat man tatsächlich festgestellt, dass der Mann mit einem Haftbefehl gesucht wurde.”
"Das ist im Ruhrgebiet gewesen, da kriegte ich auf einmal den Anruf, pass mal auf, wir müssen mal die Entschärfung unterbrechen, da wäre noch jemand in der Wohnung. Dann bekam ich wieder die Nachricht, okay, kannst weitermachen.
Und als wir fertig waren, kam das Ordnungsamt und sagte, pass mal auf, das musst du dir vorstellen: da oben in der Wohnung, da war jemand drin, der saß nackt im Kleiderschrank, aber der war nicht der Mieter der Wohnung."
Wovor haben Sie eigentlich Angst, Hr. Clemens? Diese Frage haben wir dem 64-Jährigen gestellt. Und er musste lange, sehr lange überlegen.
“Also ich denke mal, ich würde schon Angst haben, wenn ich jetzt abends von irgendwelchen Leuten in der Dunkelheit angefahren werde und man versucht mich da auszurauben oder was auch immer. Davor hätte ich dann schon Angst.”
In Bezug auf die Entschärfungen und Sprengungen sagt er:
“Da muss ich ganz ehrlich sagen, das ist nie der Fall gewesen, dass ich Angst hatte. Natürlich habe ich auch sehr schwierige Aufgaben zu lösen gehabt, aber es war immer so, dass ich gesagt habe, hier musst du jetzt eine Lösung finden und du musst das jetzt mal durchspielen, ob man das so oder so machen kann.”
Angst? Nein. Anspannung? Ja.
"Jede Bombenentschärfung ist anders. Da kann es sein, dass das Gewinde gestaucht ist, aber das siehst du erst hinterher.
Dann hast du vielleicht mit Pikraten zu tun, die hoch reibungs- und stoßempfindlich sind und dazu sind es auch noch Krebserreger, die sitzen dann zwischen den Gewindegängen. Das siehst du vielfach im Vorfeld gar nicht so.
Du bist dann total fokussiert auf die ganze Sache, das ist einfach Adrenalin pur.
Wenn ich eine Entschärfung gehabt habe, egal, ob sie jetzt schwierig oder “einfach” war und dann nach Hause komme, dann komme ich so eine Stunde nicht zur Ruhe, weil ich das Ganze nochmal reflektiere. Ich denke dann immer so, jetzt hör endlich auf, jetzt muss ich mal schlafen, ich muss in vier Stunden wieder aufstehen. Aber Nein, das ist so ein Automatismus, der dann da abläuft."
Fußball als Ausgleich
“Natürlich habe ich auch einen Ausgleich. Ich gehe noch immer einmal in der Woche zum Fußball, spiele bei den Alten Herren. Da wird einfach nur ein bisschen Fußball gespielt, da ärgere ich mich dann auch tatsächlich, wenn es nicht so läuft, wie es nach meiner Ansicht laufen sollte.”
Viele von euch werden sich noch erinnern - 2018 musste in Paderborn eine 1,8 Tonnen-Bombe entschärft werden. Wochenlang wurde berichtet - Zehntausende mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Und natürlich war auch Karl-Heinz Clemens wieder dabei. Das Ende des Einsatzes war besonders schön:
"Wir sind weggefahren, dann kam da ein Ehepaar runter und hielt uns an. Die Frau fragte dann gleich: können Sie mal eben aussteigen? Ja, sag ich, klar, was möchten Sie denn? Da sagt sie: Ich muss Sie jetzt einfach mal in den Arm nehmen.
Also das sind dann so Sachen, die vergisst du auch nicht."
Karl-Heinz Clemens ist verheiratet und hat Kinder. Mittlerweile hat sich seine Familie, laut Clemens, mit seinem Job arrangiert.
Über seine Frau: “Die war zunächst sehr skeptisch. Aber es ist ja so: sie bekommt das ja auch nicht immer mit. Ich rufe dann ganz spontan an, ich komme heute später, wir haben gerade einen Bombenfund. Dann sagt sie: Ja, alles klar.”
"Meine Kinder sind eigentlich damit groß geworden. Einer meiner Söhne hat sogar mal so ein Tagespraktikum bei uns gemacht, da wollte er mal wissen, wie das so alles ist.
Meine Tochter war beim Girls Day mal mit. Das war natürlich noch zu einer Zeit, als ich noch nicht entschärft habe, aber die haben schon gesehen und gewusst, was da passiert."
Eins ist sicher: Karl-Heinz Clemens hat in seinem Leben schon alle schlechten Wortspiele in Bezug auf seinen Job gehört. Wir begrüßten ihn in der Redaktion mit den Worten: “Wenn Clemens kommt, ist immer Bombenstimmung”. Darauf entgegnete er:
“Das ist so der Standardspruch. Dann kommt meist: ”da kommt der Bombenleger wieder". Aber Schwamm drüber, kann ich mit leben."
Lio Osadzin, Fünf Monate, Borchen
In Deutschland sinkt die Geburtenrate seit Jahren kontinuierlich. Deshalb ist jedes Neugeborene erstmal ein Grund zur Hoffnung. Klar, dass auch wir ein Baby als Mensch, der Hoffnung macht, dabei haben.
Lio ist am 21. August 2025 geboren und erhellt seitdem das Leben seiner Eltern Adrian und Natalia.
Hier könnt ihr die Beiträge über Lio nachhören:
Weitere Hoffnungsmacherinnen und Hoffnungsmacher aus dem Hochstift
- Bernd Vollmer aus Salzkotten-Verne. “Bernd, der ‘Roller-Weihnachtsmann’, fährt seit Jahren mit seinem Roller durch die Weihnachtszeit und zaubert Lächeln in die Gesichter der Kids. Alles ehrenamtlich und mit ganz viel Liebe. Ein Held für mich.” (Hans-Christian von der Fink)
- Jasmin Kruse aus Höxter-Lütmarsen. “Meine Freundin hat mich privat und beruflich noch nie im Stich gelassen, auch wenn es ihr die letzten Jahre selbst privat nie gut ging. Wir kennen uns seit 13 Jahren und sind unzertrennlich geworden. Voller Tatendrang hat sie mich immer unterstützt.” (Jutta Böger)
Mehrdad Sepehri Fard, 58, Paderborn
Lass ich meine Kinder taufen? Und wenn Ja: In welcher Form? Vor dieser Frage stehen immer wieder viele Eltern bei uns im Hochstift.
Aber wie ist es, wenn man Moslem ist, im Iran lebt und dann getauft werden möchte? Dann könnte es unter Umständen lebensgefährlich werden. Dann könnte aber auch der Paderborner Mehrdad Sepehri Fard ins Spiel kommen, der in den 80ern selbst im Iran zum Christentum konvertierte.
Seit fast 30 Jahren lebt er mittlerweile in Paderborn, ist persischsprachiger Seelsorger und Pastor. Er hilft Geflüchteten, wieder Hoffnung zu finden. Er tauft Menschen aus dem Iran in der Türkei. Und er wird auch in Paderborn von Spionen des iranischen Regimes beobachtet und bedroht. Wir haben mit ihm ein langes Interview geführt.
Das Interview zum Nachlesen
Radio Hochstift: Herr Sepehri-Fard, was hat sich in Ihrem Leben verändert, als Sie 16 Jahre alt waren und noch in Iran lebten?
Mehrdad Sepehri-Fard: „Als ich ungefähr 16 war, war die islamische Revolution ganz frisch. Wir waren begeistert! Eine Revolution! Und ich war sehr aktiv, auch in der Moschee. Und dann habe ich versucht, auch in islamischer Form zu missionieren und den anderen zu zeigen, dass der Islam das Beste ist. Ich bin auch in Kirchen gegangen, die damals noch offen waren. Ich habe versucht, die Menschen zu missionieren und zum Islam einzuladen.
Zwei Jahre später wurde ich dort getauft, also die haben mich überzeugt und ich bin Christ geworden.“
RH: Was hat Sie denn damals eigentlich mit 18 so am Christentum überzeugt oder begeistert, dass Sie gesagt haben, ich möchte jetzt mit 18 getauft werden? Da waren Sie ja noch ein sehr junger Mann.
„Ja, das ist nicht ein plötzlicher Prozess, sondern ein langfristiger Prozess. Zuerst wollte ich das Christentum kritisieren. Deshalb habe ich die Bibel gelesen und immer versucht, die Verse zu finden, die ich kritisieren könnte. Wir konnten damals nicht im Internet recherchieren, wir mussten selber darüber nachdenken. Dann bin ich zur Kirche gegangen und habe gesagt: guck mal hier Pastor, ihr sagt, dass Jesus Gottes Sohn ist, Gott hat doch keine Frau!
Aber dann habe ich gesehen: guck mal, ich bin ein aktiver Muslim und ich gehe zur Kirche und die wissen, warum ich komme. Aber die umarmen mich und sind nett zu mir. Da habe ich mich gefragt: entweder sind sie blöd, dass sie mich so behandeln, weil sie wissen, was ich vorhabe, oder das ist eine andere Kraft oder ein anderer Gedanke dahinter. Und irgendwann habe ich also innerlich bemerkt, dass ich umsonst kämpfe.“
RH: Sie sind nicht nur konvertiert. Sie haben auch weiter missioniert – ab dann allerdings für das Christentum.
„Zwölf Jahre lang. Das war nicht einfach. Das war gefährlich. Sie haben mich oft festgenommen, geschlagen und gefoltert. Aber die Hoffnung und der Glaube waren immer stärker. Ich habe nicht aufgegeben. Ich war selbstständig, habe einen Buchverlag gegründet. Ich habe zum Beispiel Verse aus der Bibel, die Hoffnung machen, ausgedruckt, kopiert und dann verteilt. Wenn man wirklich diese gute Nachricht, diese Botschaft, die voll mit Hoffnung ist, verbreiten will, dann gibt es viele Möglichkeiten.“
RH: Wie oft hatten Sie selbst Angst in dieser Zeit?
“Die ganzen zwölf Jahre. Jeden Tag. Aber in diesem Fall war mein Glauben und meine Hoffnung meine Stärke. Ich habe auch von meinen Pastoren gelernt, die getötet wurden. Die haben mir gezeigt, dass man auch das Leben verlieren kann.”
RH: Wie waren die Reaktionen damals von den Menschen, die Sie angesprochen haben?
„Interessanterweise waren die Menschen offen und viele haben sich bedankt. Aber natürlich waren auch Spione unter den Menschen.
Die gaben sich sehr interessiert. Aber in Wahrheit wollten sie nur herausfinden, woher ich komme. Die Spione haben geschaut: Wer kommt in die Kirche, die Mohammed oder Ali heißen? Diese Menschen sollen doch Muslim und nicht Christ sein. Deshalb wurden diese Menschen bis nach Hause verfolgt.“
RH: Mit 30 sind Sie dann trotzdem aus dem Iran geflohen.
„Ja, weil ich in Iran die Todesstrafe bekommen hatte. Weil ich Christ geworden bin. Nach ihrer Sicht hatte ich Gotteslästerung begangen. Außerdem habe ich mit anderen Menschen, Nicht-Christen, über Jesus gesprochen. Das ist auch verboten. Und ich war frisch verheiratet. Sonst wäre ich vielleicht geblieben. Aber dann habe ich gedacht: ich weiß nicht, was sie mit meiner Frau machen, wenn mir irgendetwas passiert.
Deshalb sind wir nach Deutschland geflohen und seit 28 Jahren bin ich in Paderborn. Und ich liebe Paderborn.“
RH: Und wie sieht Ihr Alltag jetzt in Paderborn aus?
„Seit 2017 bin ich bei der Evangelischen Kirche von Westfalen als Pastor und Seelsorger für persischsprachige Christen angestellt. Ich mache Taufkurse, Gottesdienste und andere Fortbildungen von persischsprachigen Christen, die mehr lernen wollen. Das ist die pastorale Arbeit.
Aber die seelsorgerische Arbeit wird immer mehr. Es kommen Menschen, die zum Beispiel auf der Flucht ihre Familien verloren haben. Ihre Brüder und Kinder sind ertrunken. Diese Menschen brauchen erstmal wieder einen Zugang, um wieder zum Leben zu kommen. Und dieser Zugang heißt Hoffnung. Hoffnung ist da, Hoffnung ist eine innere Kraft, durch die man nach vorne schauen kann. Ich versuche den Menschen eine Perspektive zu geben. Ich gebe nicht auf, zu Menschen zu gehen und mit den Menschen zu sprechen.
Manchmal rufen Menschen an und fragen: Können Sie jetzt ganz kurz telefonisch für mich beten? Und dann sage ich: okay, beten kann ich natürlich. Aber du kannst auch beten. Lass‘ uns zusammen beten. Gott ist bei uns. Er steht neben uns. Und du und ich, also wir sind zu dritt.“
RH: Was machen Sie, wenn Sie jemand aus Iran bittet, getauft zu werden?
„Die Anfragen gibt es oft. Wir haben die Möglichkeit, auch Menschen in Iran zu taufen. Von hier aus. Und deshalb werden wir alle Schutzmaßnahmen ergreifen, dass die Menschen keine Probleme bekommen. Aber als erstes frage ich, warum er überhaupt getauft werden möchte. Ich frage dann oft: Du bist Muslim. Warum denkst du, dass das Christentum etwas für dich ist? Vielleicht sind wir noch schlimmer.“ (lacht)
RH: Was können Sie denn für Schutzmaßnahmen ins Laufen bringen?
„Die Menschen nehmen an einem Online-Taufkurs teil. Sie treten mit einem Fake-Namen und ohne Kamera bei. Die dürfen nicht das Bild anschalten. Die dürfen nicht mit dem richtigen Namen kommen. Dann weiß keiner, wer aus welchem Land kommt. Und es ist auch verboten, dass sie Informationen austauschen, wer wo wohnt.
In einem zweiten Schritt komme ich mit den Menschen persönlich in Kontakt. Ich habe viele Fälle gehabt, in denen sich diese Menschen nach zwei, drei Jahren dann wirklich taufen lassen wollten. Manchmal können sie in die Türkei oder nach Zypern reisen. Dann taufen wir die Menschen dort.“
RH: Wurden Sie hier in Deutschland auch schon mal bedroht oder bespitzelt oder sonstiges aufgrund Ihrer Tätigkeit?
„Ja, oft. Sie schicken mir Nachrichten, dass ich aufpassen muss. Die islamische Republik hat viele Spione in Deutschland. Sie wollen Angst machen und mich bedrohen. Sie sind die allerletzten Ungeheuer. Aber mein Gott ist mächtiger als die Revolutionsgarde oder Chamenei.
Warum sollte ich Angst haben? Sie können mich höchstens in einer Ecke töten. Mehr nicht. Die Islamische Republik ist schlau, aber wir sind schlauer.“
RH: Sie sagten, dass die Hoffnung immer da ist. Aber gibt es auch bei Ihnen etwas, das Ihnen Hoffnung macht?
„Meine Hoffnung kommt aus meinem Glauben. Gott passt auf mich auf und zeigt mir den Weg. Ich selbst habe auch Probleme in meinem Alltag. Jeder Mensch hat Probleme. Aber egal, wie groß diese Probleme und wie mächtig unsere Feinde sind: die Kraft der Hoffnung, die von Gott kommt, ist immer stärker.
Anne (65) & Bernhard Grothe (67), Hövelhof
Anne und Bernhard Grothe aus Hövelhof haben 20 Jahre lang eine unglaublich wichtige Tätigkeit gemacht: Sie waren Bereitschaftspflegeeltern. Erst vor Kurzem haben sie wegen ihres Alters aufgehört. Über die Jahre haben sie 55 Kinder aufgenommen und ihnen damit sehr viel Hoffnung geschenkt.
Anne und Bernhard Grothe mussten in ihren vielen Jahren als Bereitschaftspflegeeltern wirklich viel erleben und verarbeiten. Als Team haben sie es geschafft. Hier könnt ihr die Beiträge nachhören:
Weitere Infos zur Bereitschaftspflege
Bereitschaftspflegeeltern sind Personen, die kurzfristig und unvorhersehbar Kinder in akuten Notsituationen aufnehmen - und zwar so lange bis geklärt ist, wo die Kinder langfristig bleiben können. Sie bieten eine „Familie auf Zeit“ für einen begrenzten Zeitraum, oft von wenigen Tagen bis zu Monaten. Sie ermöglichen Kindern den Schutz, um eine neue Lebensphase starten zu können.
Ingrid Müller vom Jugendamt des Kreises Paderborn hat uns gesagt was noch wichtig ist:
"Man muss erst mal mitbringen, die Bereitschaft der gesamten Familie. Das ist ganz wichtig, weil das Kind zieht ein über einen gewissen Zeitraum. 24 Stunden, sieben Tage.
Da ist kein Feierabend. Das geht nicht nach Hause.
Und wenn das schlecht drauf ist, dann kriegt das eben auch die gesamte Familie mit. Insofern braucht man Geduld.
Einfühlsamkeit wäre gut und man braucht vor allem Zeit. Und dann gehört auch dazu und das ist immer ganz wichtig für Bereitschaftspflegen, dass man die Hand quasi wieder aufmacht, also diesen Schutz gibt, aber irgendwann dann auch überhaupt die Möglichkeit gibt, dass das Kind sich in einer anderen Familie wieder binden kann. Und das ist eine große Herausforderung, wenn man einem Kind, dem es ja so schlecht ging, so eng über Monate beigestanden hat und dann das Kind wieder ziehen zu lassen und sich eigentlich zu freuen, wenn es sagt, heute schlafe ich nicht mehr bei dir.
Das kostet schon Selbstreflexion."
Außerdem ist es laut Ingrid Müller wichtig, sich klarzumachen, dass die Kinder - auch wenn es ihnen sehr schlecht geht - eigentlich nicht von zuhause weg möchten:
"Es ist ja so ein großer Bruch für die Kinder. Für die Kinder ist es oft nicht so, dass sie sich wünschen, von zu Hause wegzugehen. Das sind ja Entscheidungen, die andere treffen. Auch wenn wir von außen sehen, dass die Kinder nicht gut versorgt sind oder nicht ausreichend versorgt sind.
Entweder sind sie viel zu jung, um es zu sehen, oder es ist das, was einfach vertraut für sie ist und was dann kommt. Das wissen sie nicht. Das macht natürlich auch Angst und Sorge."
Auch dazu hat uns Ingrid Müller vom Jugendamt des Kreises Paderborn geantwortet:
"Es gibt ein Bereitschaftspflege-Entgelt. Das ist nochmal nach dem Alter (der Kinder) gestaffelt etwas. Damit wird natürlich zum einen der Unterhalt für das Kind sichergestellt, also die Einkäufe, die man tätigen muss, die Fahrtkosten, die man hat und ähnliches, den Mietkostenanteil, wenn sie so wollen oder den Stromanteil.
Und es ist eben auch ein Entgelt drin als Anerkennung für die Tätigkeit, die man macht."
Die Kreise suchen eigentlich immer nach geeigneten Personen für den Bereitschaftspflegedienst. Auf den Seiten des Kreises Paderborn bekommt ihr weitere Informationen dazu.
Und auch weitere Träger freuen sich, wenn ihr Interesse habt, möglicherweise Bereitschaftseltern/Bereitschaftsperson zu werden - zum Beispiel der SkF Paderborn und der SkF Warburg.
Johannes Tobisch, 49, Brakel
Seit vielen Jahren ist Johannes Tobisch jemand, der da ist. Er ist Ansprechpartner und Ratgeber für viele Kinder und Jugendliche in der KjG, der Katholischen jungen Gemeinde in Brakel. Vor allem beim Zeltlager, das jedes Jahr stattfindet, ist er als “Lagerpapa” immer für alle da. Und “seine” Kinder und Jugendlichen haben ihm ein Video gemacht, mit dem sie ihm mal “DANKE” sagen wollten. Und aus ihren Worten wird deutlich: Johannes Tobisch ist mehr als nur ein “Betreuer” einer Organisation.
Hier könnt ihr die Beiträge über Johannes nachhören:
Das sind die wunderbaren Worte der Kinder und Jugendlichen an Johannes Tobisch. Nach Rücksprache veröffentlichen wir nur das Audio.
Ihr möchtet euch über die Katholische junge Gemeinde (KjG) informieren? Dann schaut doch mal auf der Onlinepräsenz des Verbandes nach. Dort erfahrt ihr auch mehr über den “Goldenen Seelenbohrer”, den Johannes Tobisch verliehen bekommen hat.
Weitere Hoffnungsmacherinnen und Hoffnungsmacher aus dem Hochstift
- Tino van Elkan aus Paderborn. “Letztes Jahr habe ich die Diagnose Krebs erhalten. Mein Mann war zu jeder Sekunde bei mir und hat mir Hoffnung gemacht. Er ist nicht nur mein Ehemann, er ist mein Held und der beste und tollste Mensch, den man sich wünschen kann. Durch seine Hoffnung und seine positive Art hat er mir gezeigt, dass man zusammen alles schaffen kann. Aufgeben war und ist keine Option.” (Jennifer van Elkan)
- Frank Wöllner aus Boffzen. “Mein Mann hat mich immer wieder ermutigt, mich weiter zu qualifizieren, um Trauerbegleiterin zu werden. Ohne den Rückhalt meines Mannes würde ich diese Tätigkeit nicht ausüben können. Für mich ist er der unaufgeregte Held an meiner Seite.” (Beate Wöllner)
Hope Chetcheu-Hendjeu, 10, Paderborn-Wewer
Sie ist lustig, kontaktfreudig und beliebt. Sie macht anderen Menschen Hoffnung. Und das Beste: Sie heißt Hope. Klar, dass wir die Zehnjährige unbedingt für unsere Serie gewinnen wollten. Zusammen mit ihrer Mutter Carole, die 1998 aus Kamerun ins Hochstift kam, hat Hope uns viel erzählt. Wie sie ihren Vornamen findet. Wie die Reaktionen auf ihren Vornamen sind. Was ihr Hoffnung macht. Und welche Hoffnungen sie für die Zukunft hat.
Ulrich Möhl, 50, Paderborn
Eine Sepsis zählt zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Ulrich Möhl hat es überlebt. 2011 erlitt er einen septischen Schock und lag wochenlang im Koma. Die Auswirkungen spürt er bis heute. Sein Leben hat sich verändert. Aber der 50-Jährige bleibt hoffnungsvoll und teilt diese Hoffnung mit anderen Menschen, zum Beispiel mit Betroffenen, die sich telefonisch bei der Sepsis-Hilfe melden.
Ihr möchtet mehr über das Thema Sepsis erfahren oder sucht Hilfe, weil ihr oder ein Angehöriger ebenfalls einen septischen Schock erlitten hat? Schaut gerne mal auf der Seite der Deutschen Sepsis-Hilfe.
Birsen Nergiz-Aslan, 45, Paderborn
Ihre Freundin Michelle hat Birsen Nergiz-Aslan vorgeschlagen. Denn sie macht ihr Hoffnung. Sie schrieb: “Du meisterst Dinge, die viele nicht einmal ansatzweise nachvollziehen können: Zwei wundervolle Kinder mit Autismus - und dennoch liebst du das Leben und gibst niemals auf.”
Birsen hat uns erzählt, wie sie ihr Leben meistert und wie sie trotz allem so positiv bleibt:
Hintergrundinformationen zum Thema Autismus
Autismus ist eine komplexe neurologische Entwicklungsstörung und wird häufig als Störung der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung bezeichnet. Sie ist sehr vielfältig und kommt in verschiedenen Ausprägungen vor. Diese Beeinträchtigung betrifft soziale Interaktion, Kommunikation und Verhaltensrepertoires.
Klassifikation
- ICD-10 definiert Autismus-Spektrum-Störungen als tiefgreifende Entwicklungsstörungen
- Formen:
- Frühkindlicher Autismus
- Asperger-Syndrom
- Atypischer Autismus
Charakteristika
- Soziale Interaktion: Schwierigkeiten, soziale und emotionale Signale zu senden und zu empfangen.
- Kommunikation: Betroffene haben Probleme mit Sprachgebrauch, Sprachverständnis und nonverbaler Kommunikation.
- Verhalten: Stereotype, routinierte Verhaltensweisen mit eingeschränktem Interesse. Empfindlichkeit gegenüber Veränderungen.
- Wahrnehmung: Sie haben Schwierigkeiten mit der Verarbeitung von Sinnesreizen.
Psychische Begleitstörungen
- Häufig treten zusätzliche psychische Probleme auf, wie Phobien, Schlaf- und Essstörungen sowie herausforderndes Verhalten.
Prognose
- Die Merkmale können sich mit dem Alter ändern, aber Autismus bleibt im Erwachsenenalter bestehen.
- Menschen mit Autismus benötigen oft lebenslange Unterstützung.
Unterschiede zum Asperger-Syndrom
- Personen mit Asperger-Syndrom haben oft keine Sprach- oder kognitive Entwicklungsverzögerungen.
Häufigkeit
- Autismus-Spektrum-Störungen: 6-7 pro 1000 Personen
- Frühkindlicher Autismus: 1,3-2,2 pro 1000
- Asperger-Syndrom: 1-3 pro 1000
- Trotz Forschungen bleibt die Entstehung der Störung unklar und die Ansätze zur Unterstützung sehr individuell.
Fragen und Feedback
Ihr habt Fragen zu dieser Serie? Ihr wollt uns Feedback geben? Sehr gerne! Schreibt einfach eine Mail an tobias.fenneker@radiohochstift.de oder dania.toelle@radiohochstift.de
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