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Stars & Sternchen

London | 40 Jahre Webbers «Phantom der Oper»: Wie toxisch ist das?

picture alliance / dpa | 23 Jahre nach der Deutschlandpremiere 1990 feierte der Musical-Klassiker «Das Phantom der Oper» 2013 im Theater Neue Flora in Hamburg noch einmal Premiere - auch der Komponist Andrew Lloyd Webber reiste damals an. (Archivbild)

London, 9. Oktober 1986

London (dpa) - Es spielt in Paris, aber die Premiere war in London: Die Rede ist vom populären Musical «Das Phantom der Oper», das berühmt ist für seine Ohrwürmer und das Bühnenbild mit dem schweren Kronleuchter-Absturz.

Vor 40 Jahren (9.10.1986) fand die Uraufführung des Stücks von Andrew Lloyd Webber statt (Buch: Webber zusammen mit Richard Stilgoe).

«The Phantom of the Opera» gehört, was Einnahmen und Zuschauerinnen und Zuschauer weltweit angeht, zu den erfolgreichsten Musicals überhaupt (neben etwa «Les Misérables», «The Lion King» (also Disneys «Der König der Löwen»), «Wicked», «Cats», «Mamma Mia!».

Zeit für Wissenswertes über das berühmte Musical, das noch in diesem Jahr in einer Neuproduktion nach Deutschland zurückkehrt (ab November in Köln).

Worum dreht sich «Das Phantom der Oper»?

Ein entstellter und maskierter Mann (das Phantom) lebt in den unheimlichen Katakomben der Pariser Oper. Er verliebt sich in die junge Chorsängerin Christine und verhilft ihr durch Einschüchterung des Opernpersonals und geheimnisvolle Gesangsstunden zum großen Erfolg. Als Christine jedoch lieber mit ihrem Jugendfreund Vicomte Raoul de Chagny zusammen ist, wird das Phantom eifersüchtig und veranstaltet einen dramatischen Psycho-Krimi.

Von wem stammt der Stoff?

Vorlage für das Musical ist der als Fortsetzungsgeschichte 1909/10 erschienene Schauerroman «Le Fantôme de l`Opéra» von Gaston Leroux. Der französische Schriftsteller verdichtete Geistergeschichten rund um das 1875 eröffnete, nach seinem Architekten Charles Garnier benannte Pariser Opernhaus Palais Garnier.

Gibt es einen realen Hintergrund?

Realer Hintergrund des Romans sollen rätselhafte Geräusche aus dem Untergrund der Garnier-Oper in den ersten Jahren ihres Bestehens sein. Im Mai 1896 starb zudem eine Concierge durch einen herabstürzenden Kronleuchter. Ereignisse wie diese sowie der labyrinthartige Keller des Riesengebäudes führten zu Schauergeschichten. Unter der Oper befindet sich in der Tat ein Gewässer, das das Phantom in der Geschichte mit einer Barke befährt.

Welche Songs aus dem Musical kennt man?

Bekannte Songs aus dem Musical, das etwa zweieinhalb Stunden inklusive einer Pause dauert, sind insbesondere das düstere Duett-Titellied «Das Phantom der Oper» mit dem markanten Orgel-Intro oder «The Music of the Night» (auf Deutsch: «Die Musik der Dunkelheit/Nacht»).

Außerdem mögliche Ohrwürmer: «Mehr will ich nicht von dir» (Original: «All I Ask of You»), «Von nun an gibt es kein Zurück» («The Point of No Return»), «Denk an mich» («Think of Me») oder «Engel der Lieder/Muse» (Angel of Music).

Wie wird das Musical beurteilt?

«Das Phantom der Oper» gilt nicht gerade als das stärkste Werk von Webber («Evita», «Jesus Christ Superstar», «Cats», «Starlight Express»), hat aber viele Fans weltweit. Die Mischung aus Pop-Rock und opernhaftem Bombast-Pop wird von schlecht gelaunten Musikkritikern gern Kitsch genannt. Die Liebes- und Horror-Handlung bewegt sich stets an der Grenze zum Schmalz. Die psychologische Tiefe der Figuren ist dürftig. Das ist aber vielen egal.

Wie toxisch ist dieser Stoff?

Die weibliche Hauptfigur Christine steht in dem Musical zwischen zwei Männern - dem Phantom und Raoul -, die über sie bestimmen wollen. Sie agiert in dieser Dreiecksgeschichte lange Zeit wenig selbstbestimmt.

Das Phantom ist eine Art Stalker, betrachtet Christine wie ein Eigentum, das es kontrollieren will. Die Wünsche der Frau zählen nicht. Der Psychoterror und die emotionale Erpressung (die Frau soll ihn, «das Monster», mit ihrer Zuneigung «erlösen») werden im Stück jedoch als große romantische Liebe verklärt. Dabei handelt es sich wohl eher um männliche Gewalt und toxisches Verhalten.

Wann kam Webbers «Phantom» wohin?

Webbers Musical feierte am 9. Oktober 1986 in London Premiere - im Her Majesty`s Theatre. Nach dem Tod der Queen und mit dem jetzigen König Charles heißt es His Majesty`s Theatre. Das Phantom läuft dort nach wie vor.

In New York lief das Stück von Januar 1988 bis April 2023 im Majestic Theatre. «The Phantom of the Opera» gilt am Broadway als das am meisten gespielte Stück (fast 14.000 Aufführungen). 

Die deutschsprachige Erstaufführung war in Wien - am 20. Dezember 1988 im Theater an der Wien (mit Alexander Goebel als Phantom). 

In Deutschland wurde das Stück zum ersten Mal am 29. Juni 1990 im eigens dafür gebauten Theater Neue Flora in Hamburg aufgeführt (anfangs mit Startenor Peter Hofmann). Es blieb elf Jahre.

Von November 2002 bis Mai 2004 wurde die deutsche Version auch in Stuttgart gespielt, von Ende September 2005 bis März 2007 in Essen. 

Von Ende November 2013 bis Ende September 2015 kehrte «Das Phantom» nach Hamburg zurück, von November 2015 bis September 2016 war es in Oberhausen zu sehen.

Was hat es mit der Neuinszenierung in Köln auf sich?

Zum ersten Mal seit zehn Jahren kommt das Musical bald auf eine Bühne in Deutschland zurück - und zwar nach Köln in den Musical Dome (ab 5. November).

Es handelt sich um eine Neuinszenierung des britischen Theater- und Musical-Produzenten Cameron Mackintosh, der am 17. Oktober 80 wird.

Seine Neuinszenierung von 2012 (der Kronleuchter fällt nun zum Beispiel direkt aufs Publikum beziehungsweise in dessen Richtung und nicht mehr auf die Bühne hinunter) wurde schon in Großbritannien, Nordamerika und Australien bejubelt. In Wien lief sie von März 2024 bis zum 28. Juni 2026.

Übrigens: Auch in seinem Spielort, dem Ort der Handlung, also in Paris, wird das Musical derzeit wieder gezeigt - im Théâtre du Gymnase Marie Bell, das rund anderthalb Kilometer von der Garnier-Oper entfernt liegt.

© dpa-infocom, dpa:261009-930-812386/1

picture alliance / dpa | Andrew Lloyd Webber 2013 in Hamburg. (Archivbild)

picture alliance / dpa | Andrew Lloyd Webber im November 2013 in Hamburg mit den damaligen Hauptdarstellern Mathias Edenborn (das Phantom) und Valerie Link (Christine). (Archivbild)

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