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Stars & Sternchen

London | Chris Norman blickt zurück: «Es lag an den Beatles»

Marcel Brell/Edel/dpa | Chris Norman erinnert sich an Songs, die ihn wirklich beeindruckten. (Handout)

Coveralbum zum 75. Geburtstag

London (dpa) -   Noch heute bedauert Chris Norman, dass er die Beatles nie live gesehen hat. «Ich wollte unbedingt hingehen», erzählte Norman (75) im Interview der Deutschen Presse-Agentur in London. Weil er damals noch ein Teenager war, hatten seine Eltern Bedenken. «Also durfte ich nicht hingehen. Das war eine riesige Enttäuschung.»

Wie viele Musiker seiner Generation wurde er stark von den Beatles geprägt. Deshalb hat er für sein neues Album «Lifelines» eine Version des Klassikers «Strawberry Fields Forever» eingespielt. «Am Anfang habe ich gezögert, einen Beatles-Song aufzunehmen. Aber ich wollte unbedingt etwas auswählen, was mich damals wirklich beeinflusst hat.»

Mit «Lifelines» hat der frühere Smokie-Frontmann anlässlich seines 75. Geburtstags im vergangenen Oktober eine Sammlung von Songs aus vergangenen Jahrzehnten aufgenommen, die ihn geprägt oder einfach begeistert haben. Neu ist nur der Titeltrack, eine melancholische Ballade.

Rückblick auf eine lange Musikerkarriere

Das erste Konzert-Erlebnis für den Teenager Chris waren die Rolling Stones – ein halbes Jahr nach der Beatles-Enttäuschung. «Weil ich meine Eltern so lange wegen der Beatles genervt hatte, ließen sie mich gehen.» Einen Stones-Song hat er nicht aufgenommen, denn: «Es lag nicht an ihnen, dass ich selbst Musik machen wollte, sondern an den Beatles.»

Seine Leidenschaft für den Rock`n`Roll wurde jedoch früher geweckt – dank älterer Verwandter. «In den 1950er-Jahren, als ich etwa sieben Jahre alt war, hörten sie die Musik, die gerade populär war», erzählt Norman. «Ich war natürlich im Haus und hörte die Songs mit.»

Er denkt daran zurück, wie er an einem Eiswagen das erste Mal die Everly Brothers «All I Have To Do Is Dream» hörte. «Ich dachte: "Wow, das ist großartig, das liebe ich." Es ist der erste Song, an den ich mich erinnere, der wirklich Eindruck auf mich gemacht hat.»

Auf seinem Album singt der Brite den Klassiker von 1958 mit seiner Tochter Susan. «Ihre Stimme und meine passen so gut zusammen, wahrscheinlich wegen der Gene.» Die beiden harmonieren auch in «Crying In The Rain», das ebenfalls von den Everly Brothers veröffentlicht wurde und später für die norwegische Band A-ha ein großer Hit war.

Hits von Hot Chocolate und Thin Lizzy

Sofort wiedererkennbar sind auch Normans Versionen von «Piece Of My Heart», ursprünglich von Emma Franklin, und «The Air That I Breathe», das für die Hollies ein Welterfolg war. «Wenn man Songs anderer Künstler covert, muss man bestimmte prägende Elemente übernehmen», betont er. Klanglich bleibt er meistens nah an den Originalen.

Als «So You Win Again» rauskam, war Chris Norman mit Smokie gerade auf dem Höhepunkt des Erfolgs – genau wie die Originalinterpreten Hot Chocolate, mit denen ihn eine lange Bekanntschaft verbindet. «Sie waren beim selben Plattenlabel wie wir. Wir haben uns oft gesehen», sagt er. «Das waren alles nette Typen.»

Ebenfalls aus den 70ern: der Hardrock-Klassiker «Whiskey In The Jar». «Ich habe im Prinzip die Version von Thin Lizzy kopiert, weil ich die am besten finde», erklärt der 75-Jährige. «Ich habe bei diesem Stück im Grunde fast alle Instrumente selbst gespielt, weil ich wollte, dass es genau so klingt.»

Mehr Gitarre als bei Dieter Bohlen

Der einzige Song von seiner Band Smokie auf «Lifelines» ist «Mexican Girl». «Es war das erste Lied, das Pete (Spencer, Smokie-Schlagzeuger) und ich gemeinsam geschrieben haben und das dann ein großer Hit wurde. Es war Nummer eins. Ich wollte keinen der offensichtlichen Songs nehmen, an die jeder sofort denkt.»

Mit dem von Dieter Bohlen komponierten «Midnight Lady» nahm Chris Normans Solokarriere 1986 Fahrt auf. Wirklich glücklich war er mit der Produktion allerdings nie. «Die Originalaufnahme klingt sehr synthetisch», erklärt er. «Das funktionierte damals, weil genau das in den 80ern angesagt war. Aber live haben wir ihn immer etwas härter gespielt, mit kräftiger E-Gitarre, die in der Originalversion gar nicht vorkam.» Genauso klingt das Lied nun auf «Lifelines».

Weitere Tracks, mit denen Norman seine Fans vielleicht sogar ein wenig überrascht, sind «Addicted To Love» von Robert Palmer, «Run» von Snow Patrol – auch ein Hit für Leona Lewis – sowie «Fix You» von Coldplay. «Ich bin kein riesiger Coldplay-Fan, aber ich mag sie», sagt der Musikveteran. «Das ist das herausragende Lied des Albums. Ein großartiger Song eines großartigen Songwriters.»

Deutschland-Tournee im Oktober

Einige der Songs will Chris Norman auf seiner Tour spielen, bei der er im Oktober in 13 deutschen Städten Halt macht. «Alle 15 kann ich natürlich nicht spielen», betont er. Schließlich muss genug Zeit für Smokie- und Solo-Hits bleiben. «Es wird eine Mischung aus neuen Songs und dem Material, das ich normalerweise spiele.»

© dpa-infocom, dpa:260310-930-794181/1

Marcel Brell/Edel/dpa | Ein musikalischer Blick zurück, etwa auf die Beatles. (Handout)