Wie stellen sich Schülerinnen und Schüler die Zukunft der Schule vor?
Schüler bringen ihre Ideen in den Landtag
Wie lässt sich Demokratie ganz konkret im Schulalltag leben? Beim Projekt „Your Vision Schule NRW“ haben Schülerinnen und Schüler ihre Vorstellungen im Landtag präsentiert – und zeigen, wie Mitbestimmung Schule verändern kann.

Die nordrhein-westfälische Schulministerin, Dorothee Feller betont im Interview mit uns, wie wichtig, ihr die Vorschläge der Schülerinnen und Schüler sind
Wie muss eine Schule aussehen, in der sich alle wirklich wohlfühlen? Welche Themen sollten über den klassischen Unterricht hinaus behandelt werden? Und wie kann Demokratie an Schulen gestärkt werden? Mit diesen Fragen haben sich in den vergangenen zwei Jahren Schülerinnen und Schüler aus über 140 Schulen in Nordrhein-Westfalen beschäftigt.
Beim Projekt „Your Vision Schule NRW“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) präsentierten nun rund 120 Kinder und Jugendliche ihre Ergebnisse im NRW-Landtag – an einem Ort, der sonst den Abgeordneten vorbehalten ist. Für einen Tag wurden die Schülerinnen und Schüler dort selbst zu Impulsgebern für Bildungspolitik.
Für viele Teilnehmende ist klar: Sie wollen ernsthaft beteiligt werden. Der 12-jährige Silas bringt das auf den Punkt:
„Ich finde es gut, dass die Kinder gefragt werden und nicht die Erwachsenen alles entscheiden. Denn die eigene Schulzeit ist ja schon etwas länger her.“
Die Jugendlichen verstehen sich als Expertinnen und Experten ihres eigenen Schulalltags. Ihre Perspektiven, so die Grundidee des Projekts, sollen nicht nur angehört, sondern in konkrete Schulentwicklung einbezogen werden.
Die Beiträge der Schülerinnen und Schüler bleiben dabei nicht abstrakt. Finja aus der 12. Klasse schildert sehr konkrete Erfahrungen aus ihrem Schulalltag:
„Wir haben Solarbänke bekommen. Für 15.000 Euro. Die werden aber nicht genutzt. Dafür fehlen uns Spielmöglichkeiten. Uns fehlt eine vernünftige Mensa-Ausstattung. Das Essen schmeckt da nicht. Da fragt man sich: Wofür wird das Geld wirklich genutzt?“
Solche Rückmeldungen zeigen, dass es den Jugendlichen nicht nur um Visionen geht, sondern auch um Prioritäten, Transparenz und sinnvolle Investitionen.
Ein zentrales Thema ist außerdem die Frage nach lebensnahen Unterrichtsinhalten. Silas formuliert auch hier einen klaren Wunsch:
„Zum Beispiel, wie man Steuern berechnet. Weil: Ich würde mich gerne auch aufs spätere Leben vorbereiten. Und so was wie eine Gedichtsanalyse in Deutsch hilft mir dabei nicht wirklich.“
Viele Jugendliche wünschen sich Unterricht, der stärker auf Alltagskompetenzen vorbereitet – etwa in Finanzbildung, Organisation oder gesellschaftlicher Teilhabe.
„Your Vision Schule NRW“ ist ein Beteiligungsprogramm von Schulministerium und DKJS. Ziel ist es, demokratische Mitwirkung an Schulen systematisch zu fördern.
Das Konzept umfasst mehrere Schritte:
- Beteiligung vor Ort: Schulen sammeln Meinungen, Ideen und Kritik ihrer Schülerinnen und Schüler – etwa über Workshops, Umfragen oder Projektgruppen.
- Erkundung und Umsetzung: Jugendliche analysieren ihre Schule, entwickeln Verbesserungsvorschläge und setzen erste Projekte selbst um.
- Dialog mit Politik: Bei Veranstaltungen wie im Landtag kommen sie direkt mit Entscheidungsträgern ins Gespräch.
- Transferphase: Die gesammelten Erkenntnisse werden gebündelt, um Impulse für Schul- und Bildungspolitik zu geben.
Die Themen reichen von Podcasts und Schülervertretungssatzungen über die Verbesserung von Toiletten bis hin zu neuen Lernräumen oder Spendenaktionen. Gleichzeitig sprechen Jugendliche offen über Leistungsdruck, Stress, Mobbing und Diskriminierung.
Ein Beispiel für gelungene Mitgestaltung ist das Marie-Curie-Gymnasium in Neuss. Dort haben Schülerinnen und Schüler „Lernateliers“ mit Möbeln, Pflanzen und klaren Nutzungsregeln eingerichtet. Außerdem gibt es gemeinsames Kochen, Finanzthemen im Unterricht und „Inseln der Ruhe“ im Schulalltag.
NRW-Schulministerin Dorothee Feller betont die Bedeutung der Schülerstimmen:
„Die Expertinnen und Experten in der Schule sind die Schülerinnen und Schüler. Dafür ist Schule da. Und deswegen müssen wir hinhören, welche Vorstellung sie von Schule haben. Und diese Vorschläge, die hier erarbeitet werden, die nehmen wir sehr ernst, die werden wir alle prüfen. Und die Kinder kriegen auch eine Rückmeldung darüber, was wir umsetzen können.“
Demokratie, so die Botschaft der Veranstaltung, soll nicht nur im Politikunterricht stattfinden, sondern im täglichen Miteinander erlebt werden.
GHS Zeppelinschule, Plettenberg
Esther-Bejarano-Gesamtschule, Freudenberg
Haranni-Gymnasium, Herne
Max-Planck-Gymnasium, Dortmund
Fürstin-Pauline-Schule, Detmold
Marianne-Weber-Gymnasium, Lemgo
Rudolph-Brandes-Gymnasium, Bad Salzuflen
Marie-Curie-Gymnasium, Neuss
Schule am Eller Forst, Düsseldorf
Jan-Joest-Gymnasium, Kalkar
KHS St. Benedikt, Düsseldorf
Julius-Stursberg-Gymnasium, Neukirchen-Vluyn
Gesamtschule Norf, Neuss
Theo-Hespers-Gesamtschule, Mönchengladbach
Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, Ratingen
Schule Am Steeler Tor, Essen
Humboldt-Gymnasium, Düsseldorf
Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, Oberhausen
Bischöfliche St. Angela-Schule, Düren
Cornelius-Burgh-Gymnasium, Erkelenz
Gesamtschule Kürten, Kürten
Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, Bonn
Anne-Frank-Gymnasium, Aachen
Kaplan-Kellermann-Realschule, Euskirchen
Carl-von-Ossietzky-Gesamtschule, Köln
Nicolaus-Cusanus-Gymnasium, Bonn
Realschule Wettringen, Wettringen
Maximilian-Kolbe-Gesamtschule, Saerbeck
Erich-Kästner-Schule, Oelde
Gesamtschule Münster Mitte, Münster
Willy-Brandt-Gesamtschule, Bottrop
Johannes-Kepler-Gymnasium, Ibbenbüren
Autor: José Narciandi
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