Lifestyle & Freizeit
Berlin | FOMO im Frühling? Warum wir Glück nicht erzwingen müssen
Erwartungsdruck rausnehmen
Berlin (dpa/tmn) - Sonne, längere Tage, das erste Eis im Freien: Für viele gilt der Frühling als Zeit des Aufbruchs. Doch mit den steigenden Temperaturen wächst bei manchen auch ein subtiler Druck: Jetzt müsste man doch eigentlich besonders gut gelaunt und unternehmungslustig sein.
Solche Erwartungen sollte man aber besser nicht zu hoch hängen. «Dieses Gefühl kennen viele: Jetzt muss ich doch endlich glücklich sein», sagt Christian Thiele, Autor, Speaker und Mitglied im Trainerteam der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie. Gerade wenn draußen alle unterwegs sind und die Stimmung allgemein als ausgelassen wahrgenommen wird, könne das den Eindruck verstärken, selbst etwas zu verpassen.
Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang teilweise von «toxischer Positivität». Auch von FOMO (Fear of missing out) ist oft die Rede – der Angst, etwas zu verpassen. Während es im Winter gesellschaftlich eher akzeptiert ist, sich zurückzuziehen, entsteht im Frühling leicht das Gefühl, man müsse jede Gelegenheit zum Genießen nutzen.
Glück nicht als Dauerziel betrachten
Aus psychologischer Sicht kann es helfen, Glück nicht als ständiges Ziel zu betrachten. «Wenn wir Wohlbefinden eher als Nebenprodukt sinnvoller Aktivitäten sehen – und nicht als etwas, das wir permanent erreichen müssen –, nimmt das viel Druck raus», sagt Thiele.
Positive Gefühle wie Gelassenheit, Freude oder Zuversicht seien zwar wichtig. Sie können laut Forschung langfristig psychische und soziale Ressourcen stärken. Dennoch entstehen sie häufig indirekt – etwa durch soziale Kontakte, Bewegung oder neue Erfahrungen.
Frühling darf auch unspektakulär sein
Wer sich im Frühling nicht automatisch euphorisch fühlt, müsse sich deshalb keine Sorgen machen. Emotionen verlaufen individuell und nicht immer synchron mit der Jahreszeit. Auch ruhige, unspektakuläre Tage können Teil eines gesunden emotionalen Gleichgewichts sein.
«Glück ist nicht immer spektakulär», sagt Thiele. Manchmal zeige es sich eher in kleinen Momenten – etwa bei einem Spaziergang, einem Gespräch oder einer kurzen Pause im Alltag. Statt sich von Erwartungen leiten zu lassen, könne es deshalb hilfreicher sein, neugierig zu bleiben und bewusst kleine positive Erfahrungen wahrzunehmen. So entstehe Wohlbefinden oft ganz nebenbei – ganz ohne Druck.
© dpa-infocom, dpa:260318-930-831506/1
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