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Berlin | Geiseln in Berliner U-Bahn: Was taugt die Serie «Hijack»?
Serie mit Idris Elba
Berlin (dpa) - «Das explosive Finale der zweiten Staffel», bewirbt der Streamingdienst Apple TV die Episode «Endstation» der diesmal in Berlin spielenden britischen Serie «Hijack». Der Originaltitel der Folge lautet «Terminal» (Veröffentlichung am 4.3.)
Die zweite Staffel spielt – nach dem Nervenkitzel über den Wolken in Staffel eins – vor allem im Untergrund, rund um einen U-Bahn-Zug.
Idris Elba hat wieder die Hauptrolle inne. Ob im Finale eine Berliner U-Bahn explodiert oder was ganz anderes, soll hier nicht verraten werden.
Erörtern wir lieber, ob die Staffel, deren acht Episoden seit dem 14. Januar wöchentlich veröffentlicht worden sind, was taugt.
Was geschah bisher?
In der ersten Staffel – im Sommer 2023 veröffentlicht – geriet der als Verhandlungsführer für Unternehmen arbeitende Sam Nelson (Elba) in ein Flugzeug, das auf dem Weg von Dubai nach London entführt wird.
Fast in Echtzeit erlebten die Zuschauerinnen und Zuschauer über damals sieben Episoden volle Anspannung: von der Übernahme durch eine Gruppe bewaffneter Geiselnehmer bis zur riskanten Landung.
Hauptfigur Sam ist eine zwiespältige Persönlichkeit und handelte an Bord teils sehr undurchsichtig. Am Ende warf das ganze Geschehen viele Fragen auf.
Was passiert in Staffel zwei?
Sam ist aufgrund einiger Ereignisse seit der Entführung des Kingdom-Airlines-Flugs «KA29» ein gebrochener Mann, der sich aber wenig anmerken lässt. Bei einem Besuch in Berlin nimmt er die U5 vom Hauptbahnhof Richtung Brandenburger Tor und weiter Richtung Hönow – und er gerät in eine heikle Situation.
Die Bahn, in der Sam eben noch eine alte Bekannte trifft, wird – offenbar ferngesteuert und mit dem U-Bahn-Fahrer (Christian Näthe) als Eingeweihtem – samt Fahrgästen als Geiseln genommen. Und Sam Nelson ist plötzlich im Zentrum des terroristischen Geschehens, gar tatverdächtig.
Wie entführt man eine U-Bahn? Nun ja, sie hält nicht mehr an Stationen, und es stellt sich heraus, dass unter ihr mehrere Bomben installiert sind. In einer Irrfahrt durch den Berliner Untergrund und auf Strecken auch anderer U-Bahn-Linien als der U5 ergibt sich wieder eine Art Echtzeit-Thriller.
Spannend ist die Kommunikation mit der Leitstelle und die langsame Aufklärung der Hintergründe dieser konstruierten Situation, die für die Passagiere und die ganze Stadt blanker Horror ist.
Wie wird Berlin in der Serie dargestellt?
Aus britischer Sicht scheint Berlin eine stets kalte graue Stadt, in der es im Winter unaufhörlich schneit. Die Szenen in London und auf dem Land in Großbritannien haben, sagen wir, vielfältigeres Wetter.
Die Leitstelle der Hauptstadt-U-Bahn sieht in der Serie eher nach Nasa aus als nach Berliner Verkehrsbetrieben. Das Unternehmen scheint gut organisiert. Die echte BVG pflegt seit Jahren mit Werbe- und Social-Media-Kampagnen ihr Image als chaotischer Betrieb, der etwa Verspätungen als Berlin-Lifestyle verkauft.
Bei den Figuren werden einige Berlin- und Deutschland-Klischees bedient. Der U-Bahn-Fahrer heißt Otto. Ein U-Bahn-Fahrgast (Albrecht Schuch) ist ein hipper Fahrradfahrer mit Schnäuzer und Wollmütze, der natürlich irgendwas mit Nachhaltigkeit als Job macht.
Die kühle Polizeichefin (Christiane Paul) trägt Uniform. Die echte Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik sieht man eher selten so gekleidet.
Wann und wo wurde gedreht?
Die Serie wurde Anfang 2025 gedreht, vieles fand tatsächlich in Berlin statt. Drehorte waren etwa der Berliner Hauptbahnhof, Tunnel und Gleise im Bereich des Alexanderplatzes sowie die Kreuzung Tauentzienstraße/Nürnberger Straße nahe dem KaDeWe (Kaufhaus des Westens).
Wie realistisch ist das Szenario?
Der entführte Zug – Achtung, jetzt wird es nerdig – fährt immerhin recht realistisch nur auf Strecken von Linien mit Großprofil (U5 bis U9), die etwa 2,65 Meter breit sind und entsprechend große Wagen haben. Die anderen Linien in Berlin (U1 bis U4) sind deutlich schmaler.
Dass man in dem alten U-Bahn-Zug jedoch recht problemlos von Waggon zu Waggon wechseln kann, hat nichts mit dem Berliner Alltag zu tun, ist aber wohl der Dramaturgie geschuldet.
Von der BVG bekommt man keine Auskunft, wie intensiv das Unternehmen mit der Produktion im Austausch stand und die Serie unterstützt hat. Auf Nachfrage werden weder einzelne dargestellte Orte noch Tunnelverbindungen oder technische Abläufe kommentiert oder gar zu realen Gegebenheiten in Beziehung gesetzt.
Einzige zitierfähige Rückmeldung der BVG-Sprecherin: «Das ist Fiktion.»
© dpa-infocom, dpa:260304-930-765980/1
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