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Berlin | Kind hat Reiniger getrunken? Was Eltern (nicht) tun sollten
Vergiftungen
Berlin (dpa/tmn) - Kleinkind-Eltern können ihre Augen nicht überall haben. Allerdings kennt kindliche Neugier kaum Grenzen: Bekommt der Nachwuchs Bodenreiniger, Waschmittel oder Spüli in die Hand, wird schon mal genuckelt oder probiert.
Haushaltsreiniger zählen dem Universitätsklinikum Bonn zufolge zu den häufigsten Ursachen für Vergiftungen bei Kindern. Auch Medikamente, Pflanzen, Kosmetika und Chemikalien wie Desinfektionsmittel oder Insektensprays landen häufig in den Körpern von Kindern.
Vergiftungen sind nur selten ein Notfall
Erwischen Eltern das Kind mit einer offenen Putzmittelflasche, kommt schnell Panik auf. Ist das ein Notfall? Müssen wir jetzt so schnell wie möglich ins Krankenhaus?
Ruhe bewahren und einmal tief durchatmen ist ein guter Anfang - auch damit sich Angst und Unruhe nicht aufs Kind übergehen. «In der Regel ist es nicht notwendig, ins Krankenhaus zu gehen nach einer Vergiftung», sagt David Steindl, Leiter des Giftnotrufs der Berliner Charité, im «Risiko»-Podcast des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).
Um die individuelle Situation von Profis einschätzen zu lassen und zu klären, wie es weitergeht, ist allerdings ein Anruf beim Giftnotruf sinnvoll. Eine Übersicht über hierzulande verfügbare Giftnotrufe ist online zu finden.
Zeigt das Kind lebensbedrohliche Symptome wie Atemnot, Bewusstlosigkeit, starke Krämpfe oder Lähmungserscheinungen sollten Eltern allerdings sofort den Notruf 112 wählen, so das Uniklinikum Bonn.
Bei schäumenden Mitteln hilft meist schon ein Butterbrot
Gut zu wissen: Putzmittel, die lediglich schäumend wirken, verursachen in der Regel keine schweren gesundheitlichen Folgen, so David Steindl im BfR-Podcast. Die Mittel können allerdings im Magen aufschäumen, sodass das Kind würgen muss - das kann in seltenen Fällen gefährlich werden.
Gut also, wenn der Nachwuchs in so einer Situation etwas isst, das den Schaum im Magen zusammenfallen lässt. Steindl zufolge eignen sich dafür ein dick beschmiertes Butterbrot oder ein Löffel Butter oder auch Nuss-Nougat-Creme. Das darin enthaltene Fett greift nämlich die Struktur des Schaums an, sodass er sich nicht länger halten kann.
Wichtige Info bei Vergiftungen: der UFI-Code
Bei aggressiveren Reinigern kann es hingegen kritischer fürs Kind werden. Chemische Produkte, die als gesundheitlich gefährlich eingestuft sind, haben daher auf ihrer Verpackung einen sogenannten UFI-Code. Er besteht aus insgesamt 16 Buchstaben und Zahlen, aufgeteilt in vier gleich große Blöcke.
Hat das Putzmittel einen solchen Code, sollten Eltern ihn für das Telefonat mit dem Giftnotruf bereithalten. Dank ihm kann die Person am anderen Ende der Leitung rasch klären, welche Substanzen das Produkt enthält, wie gefährlich sie dem Kind werden können - und was nun am besten zu tun ist.
Was Eltern bloß nicht tun sollten
Von diesen drei Dingen rät David Steindl hingegen ab, wenn das Kind Putzmittel und Co zu sich genommen hat:
- Durch einen Finger in den Hals Erbrechen auslösen. Das kann zu Verletzungen führen - etwa an der Rückwand des Rachens durch einen Fingernagel.
- Salzwasser geben, damit das Kind erbricht: Schon geringe Mengen an in Wasser aufgelöstem Salz können eine Salzvergiftung auslösen. Sie ist Steindl zufolge häufig viel gefährlicher als die eigentliche Vergiftung.
- Milch geben: Der Fettgehalt der Milch kann dafür sorgen, dass sich giftige Substanzen besser lösen und unter Umständen eher vom Körper aufgenommen werden.
© dpa-infocom, dpa:260324-930-859016/1
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