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Stars & Sternchen

Köln | Vom Buchhalter zum Arena-Star: Bunt. legt Debütalbum vor

Federico Gambarini/dpa | DJ Bunt. erzählt von seinem internationalen Erfolg.

Steile Karriere

Köln (dpa) - Levi Wijk, besser bekannt als Bunt., hat eine der ungewöhnlichsten Karrieren der deutschen Dance-Szene hinter sich. Der 30-Jährige aus Stuttgart veröffentlicht am Freitag sein Debütalbum «Levi Did it» - 15 Tracks, die eine zwölfjährige Geschichte von Zweifel, Durchhaltevermögen und einem viralen Zufallstreffer erzählen.

Schon als Teenager produziert Bunt. in seinem Jugendzimmer Tracks, inspiriert vom skandinavischen Dancefloor-Sound um Swedish House Mafia und Avicii. Doch nach dem Abitur folgt erst einmal der klassische Weg: Lehre zum Industriekaufmann bei Porsche, dann die Buchhaltung. «Ich war damals eigentlich relativ schüchtern und eher introvertiert», erinnert sich der Produzent. «Ich habe mein Selbstbewusstsein dann eher aus der Musik gezogen, weil ich in diesem Bereich recht selbstbewusst war.»

2014 gründet Wijk mit seinem Jugendfreund Nicolas das Projekt Bunt. Ein US-Label entdeckt ihre Songs bei Soundcloud und bietet einen Vertrag an. Bunt. kündigt bei Porsche und zieht nach Los Angeles - gegen den Rat vieler. «Mein Vater ist ein Gastarbeiterkind aus der Türkei, für ihn war Sicherheit einfach alles», sagt er. «Ich wollte gerne machen, was mir Spaß macht.»

Der Tiefpunkt in den USA

Doch der Erfolg bleibt aus. Die Plattenfirma lässt das Duo fallen, Bunt. kehrt als «geschlagener Hund» zurück nach Deutschland, seine langjährige Beziehung geht in der Zeit auch noch in die Brüche. Trotzdem gibt er nicht auf: «Ich habe mir gesagt, ich lasse mir von Leuten nichts einreden, die selbst keine Ambition haben.»

Freunde holen ihn nach Hamburg, wo er 2022 als Barkeeper und Essenslieferant jobbt. Die Frist ist gesetzt: «Wenn es bis Ende 2023 nicht funktioniert, höre ich auf. Dann hätte ich das zwölf Jahre lang gemacht.»

Die Wende im ICE

Der Wendepunkt kommt während einer langen Zugfahrt zu seinem Bruder nach Baden-Württemberg. Bunt. arbeitet an einem neuen Track namens «Clouds» und lädt ihn bei TikTok hoch - ohne große Erwartungen.

Die Reaktion ist überwältigend: Tausende Kommentare, Nachrichten, Aufrufe. Innerhalb von drei Monaten spielt er seine erste Show in Mexiko vor 4000 Leuten. «Ich verstehe es bis heute nicht ganz, aber irgendwie hat es zufällig einen Nerv getroffen», sagt Bunt. über den viralen Erfolg von «Clouds».

 

Bis heute wurde der Track fast 500 Millionen mal bei Spotify abgespielt, der DJ hat dort über neun Millionen monatliche Hörerinnen und Hörer. «Die Streaming-Zahlen sind völlig absurd», sagt er. 

Das macht den Bunt.-Sound aus

Der 30-Jährige trat im April beim legendären Coachella-Festival auf, spielte im Sommer große Open Airs in Deutschland und zuletzt Shows in den USA und Kanada. Auf seinen Gigs steht Bunt. in der Regel mit seiner Bühne mitten im Publikum und präsentiert eine beeindruckende Lasershow. 

Was seinen Sound ausmacht? «Es ist alles sehr euphorisch, aber die Message hinter den Songs ist sehr ernst. Es geht um Familie, Freunde, Liebe - spezifische Themen, mit denen sich Leute verbinden können», sagt der DJ. 

Auf den 15 Tracks seiner Debütplatte (2024 erschien bereits das Mini-Album «Levi Don`t Do It») verbinden sich elektronische Dance-Musik, emotionale Melodien und Instrumente aus der Folk- und Countrymusik. Mit diesem Euphorie-Mix und Singles wie «Trippin» hat sich der Stuttgarter weltweit eine beeindruckende Fanbase aufgebaut - hauptsächlich bei jungen Leuten in den 20ern. 

Auf Tour immer mit dabei: seine Crew, die größtenteils aus alten Freunden besteht. «Ich habe die Menschen nach Charakter eingestellt, nicht nach Können.» Damit haben es der DJ und sein Team weit gebracht - auch dank einer langen Bahnfahrt und einem äußerst langen Atem.

© dpa-infocom, dpa:261020-930-864728/1

Federico Gambarini/dpa | DJ Bunt. heißt mit bürgerlichem Namen Levi Wijk.

Federico Gambarini/dpa | DJ Bunt. vor dem Kölner Dom.