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Leipzig/Dresden | Paul von 01099: «Ich gebe Sachsen nicht auf»
Erfolgreich im Osten
Leipzig/Dresden (dpa) - Die Postleitzahl von Dresden-Neustadt ist in der Musikwelt dank 01099 bestens bekannt. Jetzt macht sich Band-Mitglied Paul auf, seinen eigenen Namen in den Playlists unterzubringen. Am 4. September erscheint sein erstes Soloalbum «Panzerglas Pop». Warum versucht er sich jetzt alleine? Wie erfolgreich kann man im Osten der Republik Musik machen? Und wie geht es mit 01099 weiter?
Das erste Soloprojekt habe vor allem mit Zeit zu tun, sagt der 26-Jährige: Es sei zum ersten Mal Luft dafür gewesen. «Wir haben bei 01099 die letzten Jahre eigentlich jedes Jahr ein Album gemacht, und eine große Tour und so weiter. Da war nicht an so was zu denken.» Doch dann habe die Band kollektiv das Gefühl gehabt, mal das Tempo rauszunehmen. «Und da tat sich vor mir eine große Leere auf und ich dachte so: Nee, ich kann jetzt nicht hier so rumsitzen.»
Ähnlichkeit zu 01099 «ganz normal»
Die erste Single «Prima» des neuen Albums kommt mit fluffigen Beats und einem leicht melancholischen Text. Eine gewisse Ähnlichkeit zu 01099 ist nicht zu verkennen. «Ich bin ja auch ein Teil von 01099», sagt Paul. «Für ein großes ernstes Konzeptalbum fehlt mir die Lebenserfahrung und auch die Zeit. Ich glaube, es ist ganz normal, dass man da eine Ähnlichkeit erkennt. Ich fände es auch seltsam, wenn nicht. Dann würde ich die Authentizität von 01099 ein bisschen hinterfragen.»
Paul hat, ebenso wie seine beiden Band-Mitgründer Gustav und Zachi, die Dresdner Neustadt verlassen. Er lebt seit längerer Zeit in Leipzig - und will hier auch nicht weg. «Ich mag Ostdeutschland, ich mag Sachsen gerne, ich find`s toll hier», sagt er. Wegziehen komme nicht infrage. «Ich gebe Sachsen nicht auf. Dafür liegt es mir zu sehr am Herzen.»
«Natürlich gibt`s Downsides. Aber es gibt auch einen sehr herzlichen Teil, einen sehr zugewandten Teil, einen sehr aufmerksamen Teil. Einen Teil von Sachsen und Ostdeutschland, wo eben nach dem ersten Meckern dann doch alles geht. Und irgendwie das ist auch eine Qualität, die ich sehr genieße und die es eigentlich auch irgendwie zu embracen gilt.»
Musik aus dem Osten erfolgreich
Paul und 01099 zählen zu einer ganzen Reihe von Künstlern aus dem Osten, die ziemlich erfolgreich sind. Aus Sachsen gehören Kraftklub dazu, Trettmann und Blond, oder auch der junge Yung Pepp. Man kennt und schätzt sich, das wird im Gespräch mit Paul schnell klar.
«Es ist auf jeden Fall ein Umstand, den ich sehr genieße, weil ich mit all diesen Leuten spürbar eine schöne Basis habe. Es gibt da eine andere Freude, wenn man sich sieht, und es gibt einen anderen Dialekt, auf dem sich dann unterhalten wird», sagt Paul. Aber überbewerten will er das Ost-Thema auch nicht. «Wir haben auch mit vielen Künstlern, die nicht aus dem Osten sind, zu tun und unterstützen uns sehr gut.»
Vor der Veröffentlichung seines Soloalbums hat Paul ordentlich Betrieb auf Social Media gemacht, vor allem auf der Live-Streaming-Plattform Twitch. «Es ist ein Kanal, der mir sehr viel Output ermöglicht. Ich habe irgendwann mal festgestellt, dass ich das relativ gut kann», sagt der 26-Jährige. «Einfach reden, irgendwie Quatsch machen» - das mache ihm Spaß.
Ohne Social Media geht es nicht
Der Musiker glaubt, dass Selbstvermarktung über die Social-Media-Plattformen heutzutage einfach dazugehört. Das sei allerdings eine Sache, an der viele Kunstschaffende auch verzweifelten. «Viele Künstler*innen, die ich so kenne, die leiden darunter sehr, weil man natürlich nicht automatisch auch noch gut in Social Media ist, nur weil man schöne Lieder schreibt oder schöne Bilder malt.»
In einem Instagram-Video äußern sich seine Band-Kollegen zum Soloprojekt. Zachi und Gustav sitzen wie zwei Gefangene da, die Hände im Schoß, und leiern abgelesene Sätze runter: «Wir supporten Pauls Soloprojekt zu 100 Prozent.» und «Streamt alle Pauls Album. Es ist das Beste, was wir je gehört haben.» Dann kommt Pauls Stimme aus dem Hintergrund und weist die Jungs an: «Lächeln!». Quatsch mit Social Media machen - können sie einfach.
Bald wieder volle Konzentration auf 01099
Eine Tour zum Soloalbum wird es nicht geben. «Dafür habe ich keine Kraft», sagt Paul. Stattdessen plant er einen Konzertabend, vielleicht auch zwei. «Im September werde ich ein paar alte Musikerkollegen noch aus meiner Jazzzeit zusammentrommeln und mit einer kleinen Combo ein Akustikkonzert machen.»
Danach heiße es wieder: Volle Konzentration auf 01099, sagt Paul. «Wir sind auf jeden Fall nicht fertig. Das ist so ein großes Grundgefühl. Wir haben ein neues Team. Ich spüre, dass da sehr viel Aktionspotenzial drinsteckt.» Ein Highlight für nächstes Jahr steht schon fest: Am 17.07.2027 werden 01099 ihr einziges Konzert des Jahres spielen. Es ist als «Heimspiel» im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion angekündigt.
© dpa-infocom, dpa:260824-930-573223/2
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