Suzuka | Nach dem Knall: Was der Teamchef-Wechsel für Audi bedeutet
Formel 1 in Japan
Suzuka (dpa) - Kräftig durchgeschüttelt vom Beben in der Chefetage startet das Audi-Team im fernen Japan schon den nächsten Neuanfang in der Formel 1. Wenige Tage nach der abrupten Trennung von Teamchef Jonathan Wheatley übernimmt beim dritten Grand-Prix-Auftritt des deutschen Werksteams bereits ein anderer das Kommando an der Boxenmauer: Mattia Binotto ist jetzt allein der starke Mann bei dem Rennstall.
«Die Reise geht weiter: Das Ziel jetzt ist es, weiter aufzubauen, weiterzulernen und jede Chance optimal zu nutzen», sagte der Italiener, der zuvor als Formel-1-Projektleiter bei Audi eine Doppelspitze mit Wheatley bildete.
Die Folgen des erstaunlichen Personalwechsels sind noch nicht absehbar. So früh in der Saison, die vom Neuling eine enorm steile Lernkurve verlangt, dürfte der Abgang des Erfolgsmanagers Wheatley der kniffligen Aufbauarbeit kaum zuträglich sein. «Die ersten beiden Rennen waren durchwachsen – es gab zwar einige ermutigende Anzeichen, aber auch verpasste Chancen», stellte Chefpilot Nico Hülkenberg (38) vor dem Grand Prix am Sonntag (7.00 Uhr/Sky) fest.
Sofortige Trennung nach Wechselgerüchten
Als Beschleuniger auf dem bis 2030 angepeilten Weg in die Spitze sollte der Brite Wheatley seine Titelerfahrung einsetzen. Der einstige Mechaniker von Michael Schumacher, der in verschiedenen Rollen bei Benetton und Red Bull an einer Reihe von WM-Triumphen beteiligt war, hatte noch im Januar bei einer PR-Show des Teams in Berlin getönt: «Wir wollen, dass Audi das erfolgreichste Team der Geschichte wird.»
Der Einstand in Australien mit zwei WM-Punkten für Hülkenbergs Teamkollegen Gabriel Bortoleto und ein solider Auftritt danach beim Gastspiel in China durften bei Audi als Mutmacher aufgefasst werden. Doch dann tauchten Gerüchte um einen Flirt von Wheatley mit Aston Martin auf. Schon einen Tag später verkündete der Autobauer den sofortigen Abschied des 58-Jährigen «aus persönlichen Gründen». Bortoleto sagte: «Es ist alles sehr schnell passiert. Die Ereignisse haben sich überschlagen.»
Neben den angeblichen Avancen des Rivalen Aston Martin wurde auch über Kompetenzgerangel zwischen Wheatley und Binotto als mögliche Ursache für den Knall spekuliert. Schon davor war es in der Spitze des ehrgeizigen Projekts zu Umbesetzungen gekommen. 2024 mussten der Formel-1-Generalbevollmächtigte von Audi, Oliver Hoffmann, und der Geschäftsführer des vorher als Sauber startenden Teams, Andreas Seidl, ihre Posten verlassen.
Wen könnte Audi zum neuen Teamchef machen?
Ein Jahr später traf es auch den Motorenchef Adam Baker. Zugleich wurde Binotto mit immer mehr Macht ausgestattet. In dieser Rolle soll der frühere Ferrari-Teamchef auch immer wieder mit dem 2025 als Leiter des Rennbetriebs verpflichteten Wheatley aneinandergeraten sein. Nun hat Binotto vorerst noch mehr Aufgaben - womöglich zu viele, wie manche Beobachter meinen.
Audi werde die «Organisationsstrukturen kontinuierlich weiterentwickeln», versicherte Vorstandschef Gernot Döllner. Möglich ist, dass Binottos früherer Ferrari-Weggefährte Inaki Rueda bei Audi vom Sportdirektor zum Teamchef befördert wird. Auch externe Kandidaten werden gehandelt, darunter der Aston-Martin-Rennleiter Mike Krack. Der Kniff: Audi könnte den Luxemburger im Tausch mit Wheatley holen und dafür auf eine längere Vertragssperre für den Ex-Teamchef verzichten, wie sie eigentlich in der Formel 1 üblich ist.
Aston Martin steht nach dem völlig verkorksten Saisonstart schwer unter Druck. Das Auto ist mit dem neuen Motor von Honda nicht konkurrenzfähig, der eher widerwillig zum Teamchef aufgestiegene Top-Designer Adrian Newey will sich wohl lieber wieder auf die Aufgaben in der Technikabteilung konzentrieren. Wheatley soll auch deshalb an dem Wechsel interessiert sein, weil seine Frau sich in der Schweiz, dem Sitz der Audi-Rennfabrik, angeblich unwohl fühlt und gern zurück in die britische Heimat möchte.
«Spielraum für Fehler wird immer geringer»
Im japanischen Suzuka hat nun erst einmal Binotto die Alleinverantwortung. Und es gibt einiges zu verbessern. Die Zuverlässigkeit des Autos lässt noch zu wünschen übrig. In Melbourne konnte Hülkenberg wegen technischer Probleme nicht starten, in Shanghai traf es Bortoleto. So sammelte Audi nur 112 von 228 möglichen Grand-Prix-Runden, es fehlen damit wichtige Daten.
Das Fachmagazin «Auto, Motor und Sport» berichtete über «Defekte und Lecks im Umfeld der Hydraulik», auch das Fahrverhalten sei noch nicht nach dem Wunsch der Piloten. Zudem fehle es dem Verbrennungsmotor an Leistung im Vergleich zu den Mitbewerbern. Nachsicht aber hält Boss Binotto für unangebracht. «Der Spielraum für Fehler wird immer geringer», sagte der 56-Jährige vor dem Abflug nach Japan.
© dpa-infocom, dpa:260326-930-868965/1
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