Mietexplosion in Paderborn - wenn der Boom zur Belastung wird
Paderborn wächst wirtschaftlich, doch auf dem Wohnungsmarkt wird der Erfolg für viele Mieter zur Zumutung. IT-Firmen, Maschinenbau und Universität ziehen seit Jahren neue Einwohner an, während der Wohnraum knapp bleibt. Der seit dem 1. April 2025 geltende neue qualifizierte Mietspiegel soll mehr Fairness bringen: Er orientiert sich an den tatsächlichen Nettokaltmieten der vergangenen sechs Jahre und begrenzt willkürliche Forderungen. Trotzdem stufen die Befragten im Wohnungsmarktbarometer 2024 den Markt überwiegend als deutlich angespannt ein – entspannt ist nur noch das obere Preissegment.
Mieten steigen deutlich, Wohnungen sind kaum frei
Die Zahlen zeigen klar, wohin sich die Entwicklung bewegt. Zwischen 2012 und 2024 sind die Angebotsmieten um rund 60 Prozent gestiegen. 2023 lag der Median der Nettokaltmieten bei gut 9,60 Euro pro Quadratmeter. 2025 bewegen sich die Werte zwischen rund 8,90 und über 10,70 Euro pro Quadratmeter, teils mit Spitzen von mehr als 12 Euro. Gleichzeitig verzeichnet Paderborn extrem niedrige Leerstände: 3,4 Prozent laut Zensus, in verwalteten Beständen sogar nur 0,35 Prozent. Wer eine Wohnung sucht, muss also nicht nur höhere Preise zahlen, sondern hat es auch zunehmend schwer, überhaupt fündig zu werden.
Hohe Baukosten bremsen den Neubau
Ein zentraler Treiber der Mietentwicklung sind die stark gestiegenen Baupreise. In NRW verteuerte sich der Neubau von Wohngebäuden binnen eines Jahres um rund drei Prozent, einzelne Gewerke wie Ausbau-, Dach- oder Holzbauarbeiten sogar noch stärker. Das macht viele Projekte wirtschaftlich unattraktiv. Rund 70 Prozent der im Wohnungsmarktbarometer Befragten sehen keine realistische Miete, zu der sich ein Geschosswohnungsneubau in Paderborn rechnet. Die genannten Zielmieten zwischen 11 und 18 Euro pro Quadratmeter liegen deutlich über dem aktuellen Durchschnitt und verdeutlichen die Lücke zwischen Baukosten und der Zahlungsfähigkeit der Haushalte.
Hinzu kommen strukturelle Probleme: Es wird zu wenig gebaut, Sozialbindungen laufen aus, Bauland ist knapp oder zu teuer, und die Nebenkosten steigen infolge hoher Energiepreise. Familien suchen vergeblich nach großen Wohnungen, Menschen mit Einschränkungen nach barrierefreien Angeboten. Die Folge: Besonders im unteren und mittleren Preissegment dreht sich die Preisspirale weiter – selbst wenn sich die Kaufpreise beruhigen.
Politik greift ein, doch das Grundproblem bleibt
Die Politik hat reagiert, doch die Instrumente bleiben begrenzt. Mit der Mietschutzverordnung gilt in Paderborn seit 2025 erneut: Bestandsmieten dürfen innerhalb von drei Jahren nur noch um 15 statt 20 Prozent steigen, Kündigungssperrfristen werden verlängert, und der qualifizierte Mietspiegel stärkt die Rechtsposition der Mieter. Diese Maßnahmen bremsen überzogene Forderungen, schaffen jedoch keinen einzigen Quadratmeter neuen Wohnraum. Ohne zusätzliche Wohnungen bleibt der Druck bestehen.
Entscheidend wird daher sein, ob Stadt, Land, Wohnungswirtschaft und auch große Arbeitgeber gemeinsam gegensteuern. Dazu gehören schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, eine aktive Ausweisung und Nachverdichtung von Bauflächen, mehr öffentlich geförderter Wohnungsbau mit längeren Bindungsfristen sowie durchdachte Programme für energetische Sanierungen, die Nebenkosten senken, statt sie weiter in die Höhe zu treiben. Chancen bieten zudem die Umnutzung brachliegender Flächen sowie Modelle wie Wohnungstauschprogramme oder die Unterstützung älterer Eigentümer bei der Vermietung zu groß gewordener Häuser.
Paderborn steht damit an einem Wendepunkt: Entweder gelingt es, den wirtschaftlichen Erfolg mit bezahlbarem Wohnen zu verbinden, oder die Stadt riskiert, dass Fachkräfte fernbleiben und angestammte Bewohner verdrängt werden. Klar ist: Der Markt wird sich nicht von allein entspannen. Bezahlbarer, energieeffizienter Wohnraum muss zu einem zentralen Standortfaktor werden – sonst wird aus dem Boom ein soziales Risiko.
Ihr habt Fragen zu dem Thema? Unsere Experten können euch weiterhelfen:
Mario Knaup
Immobilienmakler, Geschäftsführer | RE/MAX PB Immobilien Service GmbH
Detmolder Straße 204, 33100 Paderborn
05251 699 89 50
mario.knaup@remax.de
www.remax-paderborn.de
Sebastian Hund
Wirtschaftsingenieur | WERK.E
Rolandsweg 80, 33102 Paderborn
05251 40 29 29 1
s.hund@werk-e.de
www.werk-e.de
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