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Zwangsversteigerungen nehmen zu: Das müssen Hausbesitzer und Käufer jetzt wissen

Die Frage beschäftigt derzeit viele Eigentümer, Käufer und Investoren: Stehen wir vor einer neuen Welle von Zwangsversteigerungen, ähnlich wie in früheren Krisenzeiten? Ein nüchterner Blick auf die Zahlen und Hintergründe zeigt, dass der Markt zwar in Bewegung ist, die Lage aber differenzierter ist, als manche Schlagzeile vermuten lässt.

Die Zahlen steigen: Wie groß ist die „Welle“ wirklich?

Nach Jahren rückläufiger Zahlen ist seit 2023 wieder ein klarer Anstieg zu erkennen. 2023 wurden bundesweit rund 12.300 Zwangsversteigerungen gezählt, 2024 waren es bereits etwa 13.445 Fälle, ein Plus von rund neun bis zehn Prozent. 2025 stieg die Zahl weiter auf rund 14.082 Fälle, was einem Zuwachs von 4,7 Prozent entspricht. Auch die Anzahl der Versteigerungstermine und die Verkehrswerte der betroffenen Objekte nehmen zu.

Das klingt nach viel, ist aber im historischen Vergleich einzuordnen: In früheren Krisenjahren lagen die Zahlen teilweise deutlich höher. Was wir gerade erleben, ist eher eine Normalisierungsphase nach außergewöhnlich ruhigen Jahren.

Warum steigen die Zahlen wieder?

Die Ursachen sind vielschichtig, aber klar wirtschaftlich geprägt. Viele Eigentümer, die in der Niedrigzinsphase finanziert haben, geraten bei Anschlussfinanzierungen unter Druck, denn die gestiegenen Zinsen treiben die monatliche Belastung spürbar nach oben. Dazu kommt die Kombination aus Energiepreisen, Inflation und allgemeinen Kostensteigerungen, die private Haushalte zunehmend an ihre Grenzen bringt. Immobilienkredite geraten so schneller in Schieflage.

Auch die konjunkturelle Lage spielt eine Rolle: Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland bleibt angespannt, mit teilweise steigender Arbeitslosigkeit und wachsender Unsicherheit in Industrie und Mittelstand. Das erhöht das Risiko von Zahlungsausfällen. Hinzu kommt, dass viele Eigentümer zunächst versuchen, ihre Immobilie frei zu verkaufen, oft jedoch zu spät oder zu ambitionierten Preisen. Scheitert dieser Versuch, bleibt am Ende häufig nur die Zwangsversteigerung.

Warum der große Crash bisher ausbleibt

Trotz steigender Zahlen ist eine massive Welle bislang ausgeblieben. Dafür gibt es nachvollziehbare Gründe: Der Arbeitsmarkt ist noch stabil, viele Banken zeigen sich kooperativ und bieten Stundungen oder Umschuldungen an, und ein Teil der betroffenen Eigentümer verkauft frühzeitig am freien Markt. All das fängt eine Reihe von Fällen ab, bevor sie überhaupt zur Versteigerung kommen.

Regionale Unterschiede sind entscheidend

Zwangsversteigerungen treffen nicht alle Regionen gleich. Typischerweise sind die Zahlen in wirtschaftlich schwächeren Gegenden höher, betroffen sind häufiger ältere Bestandsimmobilien sowie Ein- und Zweifamilienhäuser. In Nordrhein-Westfalen zeigt sich aktuell eine erhöhte Dynamik.

Wie geht es 2026 weiter?

Viele Marktbeobachter gehen davon aus, dass der Höhepunkt noch nicht erreicht ist. Ein weiterer moderater Anstieg gilt als wahrscheinlich, in einzelnen Phasen werden Zuwächse von bis zu zehn bis fünfzehn Prozent erwartet. Gleichzeitig stabilisiert sich der Immobilienmarkt wieder leicht: Seit 2025 steigen die Preise moderat, und die Nachfrage bleibt bei begrenztem Angebot hoch. Das dürfte einer extremen Entwicklung entgegenwirken.

Chancen und Risiken: Tipps für Käufer und Eigentümer

Für Kaufinteressierte 

Zwangsversteigerungen können durchaus interessant sein. Ein Einstieg unter Marktpreis ist möglich, der Wettbewerb ist geringer als beim klassischen Kauf. Allerdings gibt es klare Einschränkungen: Besichtigungen sind oft kaum möglich, rechtliche Risiken bestehen, und häufig besteht Sanierungsbedarf. Ohne Erfahrung oder fachkundige Beratung ist dieser Weg daher wenig empfehlenswert.

Für Eigentümer

Eine Zwangsversteigerung ist fast immer vermeidbar, wenn frühzeitig gehandelt wird. Wer den Markt im Blick behält, eine realistische Preisstrategie verfolgt und auf professionelle Vermarktung setzt, hat gute Chancen, sein Objekt am freien Markt zu verkaufen. Und das lohnt sich: Ein freier Verkauf erzielt in der Regel deutlich bessere Ergebnisse als eine Versteigerung.

Experten-Rat: So behalten Sie am Immobilienmarkt die Kontrolle 

Von einer flächendeckenden Immobilienkrise ist Deutschland aktuell noch weit entfernt. Was wir sehen, ist eine marktbedingte Korrektur nach außergewöhnlich stabilen Jahren. Wer frühzeitig handelt, behält die Kontrolle, egal ob als Eigentümer oder Investor. Den Markt beobachten, die Finanzierung realistisch einschätzen, rechtzeitig Entscheidungen treffen: Im Immobilienmarkt gilt mehr denn je, dass Timing den Preis schlägt.


Ihr habt Fragen zu dem Thema? Unser Experte kann euch weiterhelfen:

Mario Knaup
Immobilienmakler, Geschäftsführer | RE/MAX PB Immobilien Service GmbH

Detmolder Straße 204, 33100 Paderborn
05251 699 89 50
mario.knaup@remax.de
www.remax-paderborn.de

 


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