Erst dämmen, dann Wärmepumpe: Geld und Strom sparen
Viele Hausbesitzer wollen eine Wärmepumpe, und zwar am liebsten sofort. Ein Beispiel aus der Paderborner Südstadt zeigt, warum sich ein Plan lohnt: Wer vorher an drei Stellen dämmt, kauft eine kleinere Wärmepumpe und zahlt Jahr für Jahr deutlich weniger Strom.
Die Heizsaison hat begonnen. Spätestens jetzt merken Hausbesitzer wieder, wo es im Haus zieht und welche Räume nicht richtig warm werden. Viele fragen sich: Soll ich jetzt auf eine Wärmepumpe umsteigen? Die Antwort ist oft ja. Aber die wichtigere Frage lautet: Was mache ich zuerst? In unserer Beratung in Paderborn erleben wir oft, dass zuerst der Handwerker kommt und der Plan erst danach. Das ist die teure Reihenfolge.
Was ist ein Sanierungsfahrplan?
Ein Energieberater kommt zu Ihnen nach Hause und schaut sich alles an: Dach, Außenwände, Fenster, Keller und Heizung. Danach bekommen Sie einen Plan für Ihr Haus. Darin steht, welche Arbeiten sinnvoll sind, in welcher Reihenfolge, was sie ungefähr kosten und wie viel Energie sie sparen.
Man kann sich das wie ein Navi vorstellen. Das Ziel ist ein sparsames Haus, und der Plan zeigt die Route mit allen Etappen. Fachleute nennen ihn individueller Sanierungsfahrplan, kurz iSFP. Der Plan verpflichtet zu nichts. Sie entscheiden selbst, was Sie wann umsetzen.
Ein Haus in der Südstadt, zwei Wege
Nehmen wir ein typisches Einfamilienhaus aus den 50er-Jahren, sagen wir in der Paderborner Südstadt. Rund 140 Quadratmeter Wohnfläche, verputzte Fassade, unten ein Keller, oben ein Dachboden, der nicht bewohnt wird. Im Keller läuft eine Gasheizung, die schon über 20 Jahre alt ist. Gedämmt wurde nie. Die Eigentümer wollen auf eine Wärmepumpe umsteigen.
Wie viele Häuser aus dieser Zeit hat es eine Besonderheit, die man von außen nicht sieht: Die Außenwand besteht aus zwei Schalen. Innen die tragende Wand, außen eine zweite, verputzte Wand und dazwischen ein Luftspalt von einigen Zentimetern. Genau dieser Luftspalt ist ein kleiner Schatz.
Weg 1: Die Wärmepumpe kommt sofort. Die alte Gasheizung fliegt raus, die Wärmepumpe kommt rein. Weil das Haus noch viel Wärme verliert, muss die Wärmepumpe groß sein. Und sie muss das Heizwasser stark aufheizen, damit die Heizkörper die Räume warm bekommen. Das kostet viel Strom. Oft müssen zusätzlich mehrere Heizkörper gegen größere ausgetauscht werden.
Weg 2: Erst drei kleine Schritte, dann die Wärmepumpe. Mit Fahrplan sieht die Reihenfolge anders aus:
Schritt 1: Einblasdämmung in die Außenwand. In den Putz werden in regelmäßigen Abständen kleine Löcher gebohrt. Durch diese Löcher wird Dämmmaterial in den Luftspalt geblasen. Danach werden die Löcher mit Putz verschlossen und farblich angepasst. Das geht meist ohne Gerüst.
Schritt 2: Oberste Geschossdecke dämmen, und zwar am selben Tag. Derselbe Betrieb geht nach der Wand direkt auf den Dachboden. Dort bläst er Zellulose offen auf den Boden - Dämmflocken aus Altpapier. Sie legen sich in jede Ecke und jede Fuge. Danach werden Platten verlegt, damit man den Dachboden weiter betreten und als Abstellfläche nutzen kann. Das lohnt sich besonders, denn Wärme steigt nach oben, und genau hier geht in vielen alten Häusern viel verloren. Gleichzeitig ist es sehr preiswert.
Schritt 3: Kellerdecke dämmen. Von unten werden Dämmplatten an die Kellerdecke geklebt. Das merkt man sofort: Die Fußböden im Erdgeschoss werden spürbar wärmer.
Schritt 4: Jetzt die Wärmepumpe. Und zwar passend für das gedämmte Haus, nicht für das alte.
Diese drei Dämmschritte gehören zu den einfachsten und günstigsten Maßnahmen der ganzen Sanierung. Man muss dafür nicht ausziehen. Wand und Dachboden erledigt im Südstadt-Haus ein Betrieb an einem einzigen Tag, die Kellerdecke ist ebenfalls schnell gemacht. Und die Maßnahmen sparen sofort Energie, auch solange noch die alte Gasheizung läuft.
Drei Vorteile, wenn die Wärmepumpe zum Schluss kommt
Vorteil 1: Die Wärmepumpe wird kleiner und günstiger. Nach den drei Schritten braucht das Haus deutlich weniger Wärme. Im Beispiel sinkt die nötige Heizleistung von rund 14 auf rund 9 Kilowatt. Die Wärmepumpe kann also eine Nummer kleiner ausfallen. Das spart beim Kauf. Und weil die Förderung nur Kosten bis zu einer festen Grenze berücksichtigt, übernimmt der Zuschuss bei einer günstigeren Anlage oft einen größeren Teil der Rechnung.
Vorteil 2: Das Heizwasser muss nicht mehr so heiß sein. Fachleute sprechen von der Vorlauftemperatur. Das ist die Temperatur, mit der das Heizwasser in die Heizkörper fließt. Im ungedämmten Haus braucht es im Winter rund 70 Grad. Im gedämmten Haus reichen rund 55 Grad, weil weniger Wärme verloren geht. Für die Wärmepumpe ist das entscheidend. Sie arbeitet wie ein Kühlschrank, nur andersherum. Je weniger sie das Wasser aufheizen muss, desto weniger Strom braucht sie. Das ist wie beim Auto: Bergauf verbraucht es mehr als in der Ebene. Ein schöner Nebeneffekt: Oft können die vorhandenen Heizkörper bleiben.
Vorteil 3: Das Haus braucht insgesamt weniger Energie. Die Wärme, die gar nicht erst verloren geht, muss auch niemand erzeugen. Das Haus braucht gut ein Drittel weniger Wärme. Und jede Kilowattstunde Wärme wird dazu noch mit weniger Strom erzeugt. Beides zusammen macht den großen Unterschied.
Die Südstadt-Rechnung (vereinfacht):
- Weg 1, Wärmepumpe sofort: rund 24.000 Kilowattstunden Wärme, 70 Grad Vorlauf, rund 8.900 Kilowattstunden Strom. Bei angenommenen 28 Cent pro Kilowattstunde sind das etwa 2.500 Euro im Jahr.
- Weg 2, erst dämmen: rund 16.000 Kilowattstunden Wärme, 55 Grad Vorlauf, rund 4.700 Kilowattstunden Strom. Das sind etwa 1.300 Euro im Jahr.
Unterschied: rund 1.200 Euro weniger - jedes Jahr.
Jedes Haus ist anders. Genau das rechnet der Fahrplan aus. Ohne Plan zahlt man womöglich zweimal.
Das bringt der Plan bei der Förderung
Für die Dämmung gibt es 15 Prozent Zuschuss. Mit Fahrplan werden beim Einfamilienhaus Kosten bis zu 60.000 Euro statt 30.000 Euro berücksichtigt, dazu kommt ein Extra-Bonus. Neu seit Juli: Das gilt erst ab 30.000 Euro Investition. Der Fahrplan selbst wird mit bis zu 650 Euro bezuschusst. Wichtig: erst der Plan, dann der Antrag, dann der feste Auftrag an den Handwerker.
Und der Heizungsbonus? Wer eine alte Öl- oder Gasheizung tauscht und selbst im Haus wohnt, bekommt zurzeit 16 Prozentpunkte extra. Ab dem 1. Februar 2027 sind es nur noch 12. Die Reihenfolge muss man dafür nicht opfern. Den Antrag kann man jetzt stellen, für den Einbau hat man danach drei Jahre Zeit.
Unser Tipp: Nutzen Sie den Winter zum Planen, dann können Sie im Frühjahr loslegen.
Die Wärmepumpe ist für viele Häuser im Hochstift eine gute Wahl. Aber sie ist der letzte Schritt, nicht der erste. Wer vorher Wand, Dachboden und Kellerdecke dämmt, kauft eine kleinere Anlage und braucht deutlich weniger Strom. Unser Rat: erst planen, dann den Handwerker rufen.
Hinweis: Die Förderangaben sind Höchstwerte, Stand Oktober 2026
Ihr habt Fragen zu dem Thema? Unsere Experten können euch weiterhelfen:
Sebastian Hund
Wirtschaftsingenieur | WERK.E
Rolandsweg 80, 33102 Paderborn
05251 40 29 29 1
s.hund@werk-e.de
www.werk-e.de
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